Abfahrt mit dem Nachtzug ab Köln Hauptbahnhof. Kaum hatten wir uns mit den beengten Verhältnissen angefreundet, erfuhren wir, daß die Strecke auf dänischer Seite gesperrt ist und dort Busse eingesetzt werden. Morgens um 4.30 wurden wir schon wieder geweckt, unser Wagen brannte. Nach einigem Hin und Her wurde der Zug völlig geräumt. Ein Großaufgebot der Feuerwehr ermöglichte es, daß es nach ca. 2 Stunden Wartezeit weiter ging. In Dänemark (Padborg) glücklich angekommen erfuhren wir, daß es keine Mitnahmemöglichkeit für unsere Räder gibt. Spontan entschieden wir uns, die Tour auf Dänemark auszudehnen, wofür wir 300 DKK von der dänischen Bahn als »Entschädigung« erhielten.

In der nächsten Postfiliale kauften wir eine Karte von Dänemark, die sich für die folgenden Tage als ausreichend erwies (wir wußten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, daß dies keinesfalls selbstverständlich ist und welche Sucherei uns in Schweden noch bevorstand). Gut gelaunt und frohen Mutes verliessen wir also Padborg in Richtung Kruså um anschließend an der Küste nach Broager weiter zu fahren und zu einem Campingplatz an der Gammelmark zu finden.

Weiter ging es bei strahlendem Sonnenschein, ständig auf und ab in Richtung Sønderborg. Von dort weiter der E8 folgend nach Fynshav. Von dort sind wir mit der Fähre in einer knappen Stunde nach Bøjden gefahren.

Dort das gleiche Bild. Ein Hügel nach dem anderen, gelb blühende Rapsfelder, dann und wann kleine Dörfer. Nach der nächsten größeren Stadt, Faaborg, machten wir uns auf die Suche nach einem Campingplatz und fanden schließlich einen in Rantzausminde.

Eigentlich als »Ruhetag« ausgelegt, fuhren wir zunächst Svendborg, welches wir insgesamt viermal verliessen um an einer anderen Stelle wieder rein zu fahren. Nachdem wir so 15 km verbracht haben, sind wir endlich auf der richtigen Straße gelandet. Zu der weiteren Strecke gibt es nicht viel zu sagen. Sie war landschaftlich schön wie am Vortag. »Der Wind kam wie gewohnt von vorn«.

An der dänischen Küste Nyborg

Kurz vor Nyborg sind wir von der Bundesstraße runter und über die Dörfer weiter gefahren.

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Musik und mehr

Mit dem Zug von Nyborg nach Roskilde, eine der ältesten Städte Dänemarks. Bereits die Wikinger legten hier einen Handelsplatz an, der sich im Laufe der Jahrhunderte zum Bischofssitz, zur königlichen Residenz sowie zur größten Stadt Nordeuropas entwickelte. In der dortigen Domkirche wurden zahlreiche dänische Königinnen und Könige beigesetzt. 1995 wurde der Dom auf die Liste der UNESCO als Weltkulturerbe aufgenommen. Der Dom ist zentral in der Altstadt gelegen, die ebenfalls zu einer Besichtigung einlädt.

Hafen von Roskilde Campingplatz von Roskilde

Ein Erlebnis der anderen Art bietet sich im Hafen. Hier können mit Nachbauten von Wikingerschiffen verschiedene Ausflüge unternommen werden. In dem angrenzenden Wikingerschiffsmuseum besteht die Möglichkeit anhand verschiedener Relikte und Ausstellungsstücke dem Leben der Wikinger, ihren Schiffen und ihren Eroberungen näher zu kommen.

Den Musikfreunden dürfte Roskilde vor allem wegen des jährlichen Anfang Juli stattfindenden Festivals ein Begriff sein. Während der vier Tage spielen mehr als 150 Bands auf 6 Bühnen, damit handelt es sich hierbei um das größte Musikfestival in Nord-Europa.

Nach einer kurzen Stadt- und Dombesichtigung zurück zum dortigen, außerhalb, sehr schön am Fjord gelegenen Campingplatz.

Die Umgebung von Roskilde bietet dank ihren Sehenswürdigkeiten und der Landschaft ideale Voraussetzungen für gemütliche Radtouren. Das dortige Fremdenverkehrsbüro hat zwei Tourenvorschläge unter dem Motto »Romantik zu Rad« sowie »Könige und Wikinger« ausgearbeitet, die entlang der Küste, auf schmalen Waldwegen und ruhigen Seitenstraßen rund um Roskilde führen.

Wir hatten uns für die längere Tour entschieden, die auf »historischen Spuren« unter anderem am Wikingerschiffsmuseum, dem Museum Lejre sowie Schloss Ledreborg vorbei und zurück durch die Dörfer Gammel Lejre und Svogerslev führt.

Rapsfelder Umland von Roskilde

Die knapp 30 km lange Tour (die »Romantik-Tour« ist etwa halb so lang) bietet entspanntes und ruhiges Fahren und hat großen Spaß gemacht.

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Abschied von Dänemark

Von Roskilde folgten wir dem Radweg der E6 relativ zügig bis Ølstykke. Dort endete der Radweg und wir mussten über die Dörfer (und Hügel) weiter bis Hillerød.

Der nordwestlich von Kopenhagen gelegene, kleine Ort wäre nur ein weiterer Fleck auf der Landkarte, gäbe es dort nicht Schloß Frederiksborg. Das auf drei Inseln gelegene Wasserschloß gehört mit zugehörigem See und Garten sicherlich zu den Höhepunkten Dänemarks. Die von Christian IV. errichtete Anlage zählt zu den bedeutendsten und größten Bauwerken der Renaissance im gesamten nordischen Raum. Ein Brand im Jahre 1859 machte eine vollständige Sanierung erforderlich. Ab dem Jahre 1878 ist hier das Nationalhistorische Museum untergebracht. Dort finden sich verschiedene Exponate und Gemälde die einen Eindruck von der Geschichte und Kultur Dänemarks vermitteln sollen.

Schloss Frederiksborg Schloss Frederiksborg

Nach der Besichtigung, bei der wir durch den Schlosspark geradelt (!!!!), ging es weiter auf einem Radweg parallel zur E6 bis nach Helsingør, dem heutigen Etappenziel und dem Abschied von Dänemark.

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Ankunft in Schweden

Ankunft mit der Fähre in Schweden, bei knapp 20 Minuten Fahrtdauer. Den ersten Tag in Schweden liessen wir ruhig angehen und sind von Helsingborg über Mörrap, Bjur, Kvidinge nach Kipplan geradelt. Schweden machte einen weniger hügeligen Eindruck (eine Ausnahme gab es trotzdem, um nicht aus der Übung zu kommen). Der Campingplatz machte einen sehr positiven Eindruck, zumindest konnten wir alle Einrichtungen nutzen ohne ständig Kleingeld nachwerfen zu müssen.

Ankunft in Schweden Ankunft in Schweden

Zunächst nach Perstorp und von dort herrliche 11 km auf asphaltierten Waldwegen nach Röke. Weiter auf ruhigen Straßen nach Bjärnum. Dort kamen wir um die Mittagszeit an und fanden in dem dortigen Park auch gleich ein schattiges Plätzchen. Bevor wir jedoch unsere wohlverdiente Pause antreten konnten, mußten wir noch an einer Unmenge von Enten vorbei, die sich scheinbar über den ganzen Park verteilt in der Mittagssonne aalten. Darauf bedacht keine bei ihrer Siesta zu stören erreichten wir schließlich unsere »Bank im Schatten«. Kaum hatten wir jedoch angefangen unsere Lebensmittel auszupacken, ging ein Raunen durch die schläfrigen Enten und unter aufgeregtem Geschnatter eilten sie schnurstracks auf unsere Bank zu. Abgesehen davon, daß bei dem Krach fortan eine normale Unterhaltung nicht mehr möglich war, waren die Enten auch ungewohnt zutraulich und zeigten keinerlei Berührungsängste.

Campingplatz von Ålmhult Campingplatz von Ålmhult

Nachdem wir uns in gefiederter Gesellschaft ausreichend gestärkt hatten, machten wir uns wieder auf den Weg. Unterwegs haben wir unter anderem Hasen, Frösche und diverse Vogelarten gesehen. Das heutige Etappenziel war Osby.

Der folgende »Ruhetag« bestand aus einer kleinen und gemütliche Fahrt von Osby nach Ålmhult. Der größte Teil war auf einem Radweg, sodaß wir gegen Mittag auf dem Campingplatz eintrafen.

Von dort weiter nach Växjö, der Hauptstadt des sogenannten »Glasreiches« (glasriket) und dem Zentrum der Glaskunst.

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Das Glasreich

Das Handwerk blickt auf eine lange Tradition zurück. Bereits im 16. Jahrhundert lud König Gustav Vasa die ersten Glasbläser nach Stockholm ein. Weitere folgten und nach und nach wurden die ersten Glashütten gegründet. In Småland fanden sich ideale Voraussetzungen, so daß sich hier zu Beginn des 20. Jahrhunderts rund 100 Glashütten fanden.

In den mittlerweile noch verbliebenen gut ein Dutzend Glashütten ist es möglich, den Glasbläsern bei der Arbeit zuzusehen. Neben dem Werksverkauf haben viele Hütten ihre aktuelle und die Kollektionen vergangener Zeiten in kleinen Museen zusammengetragen. Viele Hütten bieten ein auf traditionelle Weise zubereitetes Essen an. Dieses (Hyttsill) wird nach der Schließung der Hütten in den Öfen zubereitet, welche von der Arbeit noch warm sind.

Der heutige Tag war der bislang schwerste. Zunächst erwies es sich als extrem schwierig Växjö auf einem für Fahrräder zugelassenen Weg zu verlassen. Irgendwie kamen wir zu einem Waldgebiet (Fylleryd) wo letztlich nur noch schieben half. Rund zwei Stunden hatte uns die Bundesstraße 23, auf dem Weg nach Vetlanda, wieder.

Småland Småland

Zunächst von Vetlanda der Bundesstraße folgend nach Holsbybrunn. Dort sind wir in Richtung Karlstorp abgebogen. Es folgten knappe 40 Kilometer durch wunderschöne Hügellandschaft. Vorbei an verwilderten Birken- und Kiefernwäldern, Mooren, kleinen Dörfern und Feldern.

Ab Mariannelund ging es wieder auf die Bundesstraße, die sich mit einem der heftigsten Anstiege der bisherigen Tour weniger schön einleitete. Es folgten einige kleinere Hügel bis nach Vimmerby.

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Zwei mal drei macht vier

Vimmerby gilt als eine der ältesten Städte Schwedens, sie ist vor allem als Geburtsstätte von Astrid Lindgren bekannt geworden. Hauptattraktion des Ortes ist Astrid Lindgrens Värld. In dem Vergnügungspark befinden sich Nachbauten von Schauplätzen aus Lindgrens Erzählungen, bespielsweise die Villa Kunterbunt aus Pippi Langstrumpf, der Hof Katthult aus Michel aus Lönneberga oder die Mattisburg aus Ronja Räubertochter. Außerdem ist hier eine »Miniatur-Ausgabe von Vimmerby« zu sehen.

Wer mit den Büchern von Astrid Lindgren vertraut ist, wird hier seine Freude haben (von Familien mit Kindern einmal abgesehen). Die Besichtigung erweist sich jedoch als teures Vergnügen (was ebenfalls auf die Übernachtungskosten in dem angrenzenden Campingplatz zutrifft). Aber wenn man schon mal »zufällig in der Gegend ist...«

Vimmerby: Astrid Lindgrens Värld Vimmerby: Astrid Lindgrens Värld
Vimmerby: Astrid Lindgrens Värld Vimmerby: Astrid Lindgrens Värld

Die Originalschauplätze von Billerby und Katthult können in der näheren Umgebung ebenfalls besichtigt werden.

Weiter in Richtung Södra Vi. Nach knapp 4 km passierte es: »Pfffftt«. Plattfuß und zwar von der übelsten Sorte, der Mantel war völlig hinüber und natürlich kein Ersatz dabei. Also Gepäck abgeladen, zurück nach Vimmerby, Mantel gekauft und anschließend Bastelstunde. Das Schutzblech hatte wesentlichen Anteil an dem ganzen Dilemma.

Nach 2,5 Stunden ging es weiter. Zunächst auf Nebenstraßen, dann über die Bundesstraße um wieder etwas Zeit reinzuholen über Södra Vi an Gullringen vorbei. Kurze Zeit später verliessen wir auch Småland und erreichten Östergötland.

Östergötland Campingplatz Rimforsa

Über Kisa (Kaffeepause) erreichten wir Rimforsa.

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Es wird flacher

Weiter ging es durch Östergötland. Die Gegend wird zunehmend flacher bzw. die Anstiege der weniger werdenden Hügel sind weniger steil, dafür um einiges länger. Auch das Landschaftsbild ist ein anderes. Die Wälder nehmen zusehends ab, dafür sind häufiger Felder und Wiesen sowie einzelne Höfe zu sehen. Kurz gesagt, die landschaftliche Nutzung nimmt zu. Auch Seen sind hier weniger auszumachen.

Durch diesen Landstrich ging es nach Linköping, wo wir den dortigen Dom besichtigten. Die Bauarbeiten an einer der größten Kathedralen im Norden Europas begannen Anfang des 12. Jahrhunderts. Die Arbeiten zogen sich über einen längeren Zeitraum (über 250 Jahre) hin, so daß sowohl romanische als gotische Stilrichtungen auszumachen sind. Ursprünglich als Bischofssitz erbaut, wurde der Dom im Laufe der Zeit auch als königliches Schloß und Residenz des Statthalters genutzt.

Dom von Linköping Dom von Linköping

Nach der Besichtigung ging es weiter nach Norrköping, parallel zur E4. Dort war in früheren Zeiten eine umfassende Textilindustrie angesiedelt, deshalb wurde Norrköping auch als »Schwedens Manchester« bezeichnet.

Der heutige Tag war der bislang schönste (und auch längste). Los ging es mit dem Problem in Norrköping einen Weg aus der Stadt heraus zu finden. Nachdem dieses Hindernis überwunden war fuhren wir auf einem Radweg (gelb markiert) bis Simonstorp. Dann folgten wenige Kilometer Bundesstraße bis Strångsjö. Dort bogen wir auf die Nebenstraße ab und umfuhren Katrineholm.

Nachdem wir morgens durch Moor- und Seenlandschaften fuhren, wechselte das Landschaftsbild und es folgten nunmher weite Felder, Wiesen und ein paar Wälder. So ging es weiter bis Valla. Dort auf die Bundesstraße, mit einem kurzen Abstecher in Sköldinge und Fotopause (Kirche aus dem 12. Jahrhundert).

Häuschen am See Kirche von Sköldinge

Es folgten Flen (irgendwann der Wechsel nach Södermanlands) und Malmköping.

Erwähnenswert ist noch, daß wir unterwegs zwei Kraniche sahen, die sich leider von einem vorbei fahrenden Auto vertreiben liessen, bevor wir die Kamera griffbereit hatten. So blieb uns nur noch, dem würdevollen Dahingleiten hinterher zu sehen.

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Wo ist der Radweg?

Am heutigen Tag sollten wir feststellen, daß in Schweden offenbar eine andere Auffassung über Radwege existiert als hier zu Lande. Die ersten zehn Kilometer, des in Malmköping vorbei führenden Näckrosleden waren traumhaft. Weite Felder, Wälder, Seen und kein Mensch weit und breit. Dann wurde die Straße zunehmends steiniger, was vereinzelt dazu führte, daß aufgrund der Steigungen sowohl hoch als auch runter schieben angesagt war, da die Räder mit samt Gepäck nur noch schwerlich zu kontrollieren waren. Die Schotterstrecke war stellenweise so steil, daß an unseren mit 25 kg Gepäck beladenen Rädern die Hinterräder durchdrehten (und wir auch). Das ganze ging leider über mehrere Kilometer so, sodaß eigentlich wenig Verständnis aufkam, warum hier ein ausgeschilderter Radweg lang läuft.

Schweden Näckrosleden Schweden Näckrosleden

Nachdem wir die Strecke von 42 km in 7 Stunden (ohne größere Pausen) absolviert hatten, folgten wir der Bundesstraße bis Mariefred ....

»Es war ein strahlend heller Tag. Das Schloß, aus roten Ziegeln erbaut, stand leuchtend da, seine runden Kuppeln knallten in den blauen Himmel...«

Man kann Tucholsky verstehen, ein toller Anblick.

Übernachtung in Mariefred. Gleich am nächsten Morgen haben wir die ersten Fotos von Schloß Gripsholm gemacht (die besten gelingen von der dem Schloß gegenüberliegenden Uferseite, wo sich praktischerweise auch der Campingplatz befindet). Während der anschließenden Stadtbesichtigung (die auch sehr lohnenswert ist) fing es an zu regnen. Natürlich hatten wir nach den vergangenen heißen Sonnentagen keine Regenkleidung dabei. Nach einem kurzen Plausch mit einem anderen Radtouristen-Pärchen auf dem Marktplatz ging es mit einem kurzen Halt am Friedhof, auf dem Tucholsky begraben wurde, zum Campingplatz zurück.

Schloß Gripsholm Marktplatz von Mariefred
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Studentenleben

Weiter ging es zunächst auf Nebenstraßen bis nach Strängnäs.Dann der 55 folgend über den Mälaren See und seinen Ausläufern bis nach Enköping.

Dort war für Radler zunächst Endstation, da nur eine Autobahn in unsere Richtung führte. Aber die freundlichen Mitarbeiterinnen der Tourist-Info wußten Rat. Auf Nebenstraßen ging es über Ekeby, Härkeberga nach Örsundsbro. Dort setzte ein heftiger Regen für den Rest des Tages ein. Wir folgten der 55 die restlichen 25 km weiter bis nach Uppsala.

Dort sind wir völlig durchnäßt, durchgefroren und ziemlich müde und erschöpft am späten Nachmittag angekommen. Uppsala bildete zu den bisherigen schwedischen Städten und Ortschaften zumindest eine Ausnahme, es war so gut wie gar nichts ausgeschildert. Frei nach dem Motto irgendwann musste ja mal ein Hinweis auftauchen, fuhren wir zunächst in Richtung Zentrum. Schließlich fanden wir nach 19.00 Uhr die dortige Tourist-Info die bereits seit über einer Stunde geschlossen hatte.

Sollte die heutige Etappe noch in einer verregneten Schnitzeljagd enden? Während wir uns etwas genervt und ratlos ansahen, ging plötzlich die Tür auf und ein freundlicher Herr in den besten Jahren fragte uns ob er außer einer Wetteränderung noch etwas anderes für uns tun könne. Dieses Angebot konnten wir natürlich nicht ablehnen und kurze Zeit später waren wir mit dem notwendigen Kartenmaterial und einer Wegbeschreibung zum Campingplatz ausgestattet. Selbst der Regen hatte dann aufgehört.

Nun konnte auch an diesem Abend nichts mehr schief gehen und eine knappe halbe Stunde später erreichten wir den relativ zentral gelegenen Campingplatz von Uppsala. Nur so am Rande bemerkt, ein einziges Hinweisschild, wenige Hundert Meter vor dem Platz haben wir entdecken können.

Uppsala: Dom Uppsala: Linné-Garten

Besichtigung von Uppsala, der viertgrößten Stadt Schwedens, an der Bevölkerung gemessen. Die Stadt scheint in der Hand von Studenten zu sein. Sehr lebhaft und quirlig. Als erstes haben wir uns den Dom angesehen. Wie einer ausliegenden Broschüre zu entnehmen ist wurde dieser um 1260 gegründet und 1435 fertiggestellt und eingeweiht. Dabei handelt es sich um die größte Kathedrale Skandinaviens, wobei es hier eine »Besonderheit« gibt, sowohl die Länge als auch die Höhe entsprechen 118,7 Meter. Die Domkirche wurde im gotischen Stil erbaut und im Inneren wurden zahlreiche, schwedische Persönlichkeiten beigesetzt.

Nach dem Dom haben wir uns noch das Schloß, die bekannte Universitätsbibliothek Carolina Redivia und den Linné-Garten (wobei hier teilweise renoviert wurde und nicht alles besichtigt werden konnte) angesehen. Schließlich und endlich hat es wieder zu regnen angefangen, so daß wir für den Rest des Tages »Innendienst« (gleich Einkaufsbummel) vorzogen.

Abschließend haben wir bei der Tourist-Info nochmals vorbei geschaut und uns für den gestrigen Service bedankt.

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Der letzte Karottenkuchen

Einer Empfehlung der Tourist-Info Uppsala folgend machten wir uns auf den Weg in Richtung Grisslehamn. Von dort wollten wir am kommenden Morgen zu den Ålands übersetzen.

Also machten wir uns auf in Richtung Halstavik auf der 288, einer sehr ruhigen Bundesstraße zur Küste. Wieder ging es »sanfthügelig« rauf und runter, durch Waldgebiete und weite Feldlandschaften. Irgendwann lag mitten auf der Straße etwas längliches, gummiartiges anmutendes, was sich bei näherer Betrachtung als Schlange erwies. Als äußerst angriffslustiges Exemplar sogar. Da wir »in friedlicher Absicht unterwegs waren« und die Schlange bei ihrer Siesta nicht weiter stören wollten, fuhren wir zügig weiter. Nur wenige Kilometer weiter der nächste Wildwuchs. Ein Rehbock kam aufgeregt aus dem Wald gesprintet und verwschwand genauso schnell wieder als er uns sah.

In dem auf einer Insel gelegenen Grisslehamn gab es eine große Enttäuschung. Der dortige Campingplatz duldet keine Zeltübernachtungen. Nach kurzer Überlegung setzten wir noch an dem gleichen Abend auf die Ålands über. Auf der Fähre assen wir unseren letzten Karottenkuchen und nahmen leise Abschied von Schweden.

Die etwa zweistündige Fahrt war früher ein Teil des sogenannten Postweges. Bereits 1638 erließ Königin Kristina eine entsprechende Vorschrift, daß eine regelmäßige Zustellung von Postsendungen von Stockholm über Åland nach Turku zu erfolgen hat. Die Route führte über Land und Meer und lief damals in Richtung Osten weiter bis nach St. Petersburg. Die Postzustellung wurde von der lokalen Bevölkerung bis zum Jahre 1910 durchgeführt.

Der Postweg führt durch insgesamt neun Gemeinden Ålands und läßt sich dank der guten Beschilderung sehr gut mit dem Rad verfolgen. Die Strecke führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft an verschiedenen historischen Sehenswürdigkeiten vorbei. Dabei ist der Verlauf vielfach noch der gleiche wie im 17. Jahrhundert. Die auf dem Wasser verlaufenden Abschnitte können mit der Fähre überbrückt werden, wobei die Beförderung von Fahrer und Fahrrädern kostenlos ist.

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Ankunft auf den Ålands

Die Inselgruppe Ålands liegt im Bottnischen Meerbusen zwischen Schweden und Finnland. Sie ist eine weitgehend autonome finnische Provinz, deren Amtssprache schwedisch ist. Die Inselgruppe besteht aus über 6500 Inseln, von denen nur 65 bewohnt sind.

Ankunft auf den Ålands Ankunft auf den Ålands

Der hervorragende, erste Eindruck, den wir gestern auf den wenigen Kilometern vom Hafen zum Campingplatz in Eckerö bekommen hatten, bestätigte sich heute auf den knapp 40 Kilometern nach Mariehamn. Das Landschaftsbild ist sehr abwechslungsreich, dichte Laub- und Kiefernwälder wechseln sich mit Äckern und Viehweiden ab. Dazwischen finden sich noch einige Binnenseen und die Küste ist auch nie in weiter ferne. Höhere Berge sucht man hier vergebens, allerdings auch selten flache Ebenen. Die oft anzutreffende Beschreibungen »sanfthügelig« sowie »die Abstände sind nie groß und die Aufwärtsstrecken angenehm kurz« treffen die Landschaft am besten. Die Radwege selbst sind hervorragend ausgeschildert und folgen in der Regel weniger befahrenen Nebenstraßen. Das alles macht neugierig auf die kommenden Tage.

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Von Insel zu Insel

Mariehamn Hauptstadt und gleichzeitig auch mit rund 11.000 Einwohnern die einzige Stadt der Ålands. Den Namen verdankt Mariehamn (»Mariahafen«) der Gattin Zar Alexanders II, Maria Alexandrovna, der die Stadt 1861 gründete. Aufgrund seiner Lage spielte die Stadt bereits in frühen Jahren nach der Gründung eine bedeutende Rolle im Schiffsverkehr, die sich bis heute mit den beiden Fähr- und Yachthäfen im Westen und Osten der Stadt fortsetzt.

Von der Tourist-Info bekamen wir gestern den Vorschlag die Ålands per Rad und Fähre zu erkunden (»Inselhüpfen«). Zunächst sind wir von Mariehamn nach Godby und weiter nach Kastelholm gefahren.

Ålands Ålands

Das dortige Schloß wurde Ende des 14. Jahrhunderts erbaut. In den folgenden Jahr(hundert)en wurde die Anlage immer wieder zerstört und neu aufgebaut. Dabei wurde jedesmal auch das Aussehen verändert, sodaß das ursprüngliche Aussehen nicht mehr rekonstruierbar war. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts begann nach mehreren Bränden der Verfall des Schlosses. Die Schloßruine ist jetzt teilweise renoviert und kann gegen 5 € Eintritt besichtigt werden.

Unweit von der Ruine ist das Freilichtmuseum Jan Karlsgården gelegen. Dort können (bei freiem Eintritt) die Gebäude eines typisch, åländischen Bauernhofes gegen Ende des 19. Jahrhunderts besichtigt werden. Neben Wohn-, Garten- und Vorratshaus sowie Speicher, Ställe und Scheunen finden sich hier auch traditionelle Windmühlen aus dem gleichen Zeitraum.

Die Fahrt ging anschließend über zwei kleinere Inseln weiter nach Vårdö (»Wächterinsel«) wo wir in Sandösund einen sehr ruhigen direkt am Meer gelegenen Campingplatz fanden.

Ålands Ålands

Reines Inselhüpfen war heute angesagt, 10 km radeln, 1 Stunde Fähre, radeln, Fähre. Zunächst aber mußten die Spuren der letzten Nacht beseitigt werden. Es hatte relativ stark geregnet. Anschließend fuhren wir zur ersten Fähre und setzten nach Kummlinge über. Die 10 Kilometer der Insel waren schnell durchquert, sodaß wir an einem (dem) Rastplatz eine längere Pause einlegen konnten.

Ålands Ålands

Weiter ging es mit der Fähre nach Föglö, der dortige Campingplatz liegt ca. in der Mitte der Insel.

In der Nacht setzte heftiger Regen ein, der sich bis in den frühen Nachmittag fortsetzte. Wir haben unsere Sachen so gut es ging in der Küche verpackt und uns auf den Weg zum Hafen gemacht, wo die Fähre schon wartete.

Wie auf den meisten der bewohnten Inseln gibt es - wenn überhaupt - nur eine größere Ortschaft. In Degerby ist auch die Anlegestelle, sodaß wir uns an diesem Tag wetterbedingt zu Gunsten der wartenden Fähre entschieden und auf eine Besichtigung verzichteten. Hier finden sich die meisten Restaurants der Insel sowie einige ältere Holzhäuser. Die Überfahrt mit der Fähre auf die »Haupt-Insel« dauerte knapp 45 Minuten.

Ålands: Warten auf besseres Wetter Ålands: Mariehamn

Mit Lumparland und Lemland folgten die letzten beiden Inseln bevor wir Mariehamn erreichten. Ein kurzer Stadtbummel, ein kleiner Imbiss und mehrere Stunden am Hafen wartend beendeten wir unseren Aufenthalt auf den Ålands gegen Mitternacht.

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Ende der Tour

Damit endete auch unsere diesjährige Fahrradtour durch einen weiteren Teil Skandinaviens (nach Finnland im letzten Jahr). Am nächsten Morgen erreichten wir mit der Autofähre Helsinki, wo wir noch drei ruhige Tage verlebten, bevor unser Urlaub entgültig zu Ende war.

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Infos

Anreise:

Für die Anreise wählten wir den Nachtzug von Köln nach Kopenhagen. Im Prinzip recht praktisch, abends gegen 22.00 Uhr ging es los und am nächsten Tag sollten wir ausgeruht am Zielort ankommen. Für den Brand kann logischerweise keiner was, für die Streckensperrung auch nicht. Aber die Größe der Schlafkabinen könnte noch einmal überdacht werden. Wir hatten Glück im Unglück, daß der Zug nicht ausgebucht war und wir unser Gepäck in einem anderen Abteil unterbringen konnten. Unsere Kabine war mit zwei Personen und jeweils fünf Fahrradtaschen schlichtweg überfordert.

Der Rückflug erfolgte ab Helsinki nach Köln-Bonn. Bei beiden Varianten empfiehlt sich eine frühzeitige Buchung, da so die Möglichkeit auf den Kauf stark reduzierter Tickets besteht.


Klima:

Trotz der nördlichen Lage können durch die Nähe zum Atlantik mit dem warmen Golfstrom die Sommer sehr warm werden. Allerdings sollte bei der Wahl der Kleidung auch darauf geachtet werden für plötzliche Temperaturwechsel und Regenschauer gerüstet zu sein. In den Frühjahr-, Herbst- und Wintermonaten ähnelt das Wetter in Südskandinavien dem in Norddeutschland. Je nördlicher die Reise geht, desto kälter kann es werden. In den Monaten Juni und Juli wird es nicht mehr richtig dunkel und nördllich des Polarkreises geht die Sonne überhaupt nicht mehr unter.


Campingplätze:

In der Regel sind die meisten (schwedischen) Campingplätze direkt an einem See (oder Meer) gelegen und mit allem ausgestattet, was für einen angenehmen Aufenthalt erforderlich ist.

Die an den Schwedischen Camping Verband (Svensk Campingstandard) angeschlossenen Plätze werden je nach Stellplatzgröße, Sanitär- und Serviceeinrichtungen mit ein bis fünf Sternen klassifiziert. Um einen Stern zu erhalten, sind unter anderem mindestens Beleuchtung, Trinkwasserversorgung, Koch-, Geschirrspül- und Duschmöglichkeiten sowie Toiletten erforderlich.

Für den Aufenthalt auf einem Campingplatz in Skandinavien wird eine Camping Card Scandinavia benötigt. Diese kann auf jedem Campingplatz erworben oder über das Internet bestellt werden. Die Karte ist kostenlos, sie muß jedoch mit einer gültigen Jahresmarke versehen sein.


Strecken:

Der bekannte Radweg Sverigeleden führt auf über 3.000 km vom Süden Schwedens bis in den hohen Norden. Dieser und andere Radwege in Schweden sind in der Regel gut ausgebaut (Ausnahmen kann es immer geben, wir hatten eine davon kennengelernt) und ausgeschildert. Sie führen zum Teil auf abseits gelegenen Wegen, aber auch entlang von Straßen. Recht allgemein läßt sich sagen, daß im Süden ein dichtes Netz an gut befahrbaren Nebenstraßen sowie Wald- und Feldwegen existiert, das je weiter es in Richtung Norden geht immer spärlicher wird. Hier muß dann häufiger auf größere Straßen ausgewichen werden, was aber dank des geringeren Verkehrsaufkommens weniger nervenaufreibend als im Süden ist. Viele Strassen weisen einen Seitenstreifen auf, der, wenn nichts anderes angegeben ist, zum Radfahren genutzt werden kann. Ist ein Radweg vorhanden, so muss dieser auch genutzt werden. Die Hauptverkehrsstrassen im Süden sollten dagegen tunlichst vermieden werden.

In Dänemark und auf den Ålands hatten wir nie Probleme gehabt, auf ruhigen Wegen zu radeln.


Etappen:

Wir waren insgesamt gute vier Wochen unterwegs. Die folgenden Angaben entsprechen den tatsächlich gefahrenen Kilometern. Sie schliessen Besichtigungen (freiwilliger und unfreiwilliger Natur), Unterschlupfsuche, usw. mit ein und sind deshalb nur als Richtwerte zu sehen.

03. Juni 2006Padborg - Gammelmark, 35 km
04. Juni 2006Gammelmark - Rantzausminde, 73 km
05. Juni 2006Rantzausminde - Nyborg, 56 km
06. Juni 2006Nyborg - Roskilde, Zugfahrt
08. Juni 2006Roskilde - Helsingør, 75 km
09. Juni 2006Helsingborg - Kipplan, 53 km
10. Juni 2006Kipplan - Osby, 80 km
11. Juni 2006Osby - Ålmhult, 30 km
12. Juni 2006Ålmhult - Växjö, 73 km
13. Juni 2006Växjö - Vetlanda, 83 km
14. Juni 2006Vetlanda - Vimmerby, 83 km
16. Juni 2006Vimmerby - Rimforsa, 78 km
17. Juni 2006Rimforsa - Norrköping, 83 km
18. Juni 2006Norrköping - Malmköping, 100 km
19. Juni 2006Malmköping - Mariefred, 58 km
21. Juni 2006Mariefred - Uppsala, 119 km
23. Juni 2006Uppsala - Grisslehamn, 90 km
24. Juni 2006Eckerö - Mariehamn, 42 km
25. Juni 2006Mariehamn - Sandösund, 56 km
26. Juni 2006Sandösund - Föglö, 30 km
27. Juni 2006Föglö - Mariehamn, 40 km
 insgesamt: 1337 km

Karten:

In Dänemark und auf den Åland-Inseln gab es keinerlei Probleme mit der Versorgung von Kartenmaterial. Die beiden Karten Færdselkort Danmark bzw. Touring and cycling map Åland decken jeweils die gesamte Region ab und zeigen zudem genügend Nebenstraßen sowie Radwege auf. Wobei auf den Åland dank der wirklich sehr guten Ausschilderung die Karte sowieso nur als grobe Orientierung erforderlich war.

Ein anderes Bild zeigte sich in Schweden. Hier ist es schon weitaus schwieriger an geeignetes Kartenmaterial zu kommen. Grob gesagt sind zwei Arten vor Ort zu bekommen, reine Autokarten die sich meist mit größeren Bundesstraßen und Autobahnnen begnügen sowie topograpische Karten deren Ausschnitt dank des großen Maßstabes maximal für ein oder zwei Tage ausreicht. Wir haben uns letztlich mit einer Übersichtskarte beholfen und so oft es ging an den Tourist-Infos nach (in der Regel kostenlosen) Karten für die nähere Umgebung gefragt. Wenn der Verlauf der Tour schon im Vorfeld feststeht können die Karten auch oftmals über das Internet angefordert werden.


Internet:

Es folgt eine Auswahl an Adressen, die uns bei der Vorbereitung der Reise geholfen haben.


       

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