Ein Besuch beim Weihnachtsmann, mitten im Sommer? Was auf den ersten Blick wie ein Kindertraum erscheint, erweist sich in Rovaniemi in der Nähe des Polarkreises als Realität. Bevor es jedoch zu diesem Treffen kommen konnte, musste zunächst die Distanz zwischen Helsinki und der Hauptstadt von Lappland überwunden werden.
Wir hatten die Strecke im Vorfeld lose geplant und als Ziel, am 21. Juni in Rovaniemi anzukommen. Los ging es am 05. Juni, so dass wir gut zwei Wochen zur Verfügung hatten.
Nachdem wir den Flug in freudiger (schliesslich lagen knapp vier Wochen Urlaub vor uns) und bangender (überlebten die Räder den Flug) Erwartung hinter uns brachten und in Helsinki landeten, hiess es erstmal Ruhe bewahren und den Weg zur Gepäckausgabe suchen. Dort bekamen wir, noch bevor irgendwelche Koffer oder Taschen auf dem Laufband zu sehen waren, unsere Räder in einwandfreiem Zustand zurück. Erleichtert warteten wir ab, bis die Taschen kamen und wir die Räder wieder zusammen bauen konnten.
Nachdem alles verstaut war und die ersten Fragen und Glückwünsche für die bevorstehende Tour beantwortet und entgegen genommen waren, konnte es endlich los gehen.
Die Annahme, dass Finnland flach wie ein Eierkuchen sei, wurde relativ schnell widerlegt. Zwar gibt es keine höheren Berge, dennoch geht es ständig auf und ab. Die südfinnische Seenplatte besitzt zwar nur kurze, dafür aber teilweise recht beachtliche Steigungen.
Vom Flughafen hatten wir mit Glück und Mut zum Risiko gleich den richtigen Weg in Richtung Kerava »gefunden«. Die Fahrradwege laufen meist parallel zu Bundes- bzw. Hauptstrassen und sind von diesen durch eine »Grünfläche« getrennt. Beeindruckt von der Landschaft, Wiesen und Wäldern gemischt mit einzelnen Felswänden geht es zunächst nach Kerava. Dort angekommen ging es weiter zum Tuusulanjärvi-See und an dessen Ufer in Richtung Järvenpää, dem ersten Etappenziel.
Dort angekommen gab es zwei gute Gründe für eine Übernachtung in einem Hotel (übrigens der einzigen während der kommenden Wochen). Zum einen ist es später geworden als gedacht und es hatte auch passenderweise angefangen zu regnen. Zum anderen hatte auch der Campingplatz bereits geschlossen und eine Alternative war nicht auszumachen. Gesagt, getan, in Järvenpää wurden wir schnell fündig und fanden ein trockenes Zimmer für uns und gleichfalls einen Abstellplatz (die Garderobe um genau zu sein) für unsere Räder.
In Järvenpää befindet sich das ehemalige Wohnhaus des bekannten, finnischen Komponisten Jean Sibelius, welches mittlerweile als Museum fungiert. In Finnland gibt es, stark untertrieben, zahlreiche Museen, über alles Mögliche (und Unmögliche). Selbst in noch so kleinen Ortschaft stehen die Chancen, etwas Kultur zu erhaschen, relativ gut.
Von Järvenpää nach Mäntsälä nahm die Hügellandschaft langsam aber stetig zu. Den Radwegen folgend ist nun häufiger die Fahrbahn zu wechseln, da diese nur noch auf einer Seite vorhanden sind. Der sich anbahnende Fahrbahnwechsel ist nicht immer gleich auf den ersten Blick erkennbar, wie wir noch des öfteren fest stellen mussten. Falls ein Radweg plötzlich endet, lohnt sich meist ein Blick auf die gegenüberliegende Seite, wo es oftmals weiter geht.
Auf diese Art ging es weiter durch eine Landschaft in der sich weite und offene Ackerflächen mit Wäldern abwechselten, bis nach Lahti. Ziel der heutigen Etappe war der dortige, nördlich der Stadt gelegene Campingplatz. Dieser ist ab der Innenstadt ausgeschildert und somit leicht zu finden.
Lahti hat sich als Austragungsort im Bereich Wintersport einen Namen gemacht. So fanden hier unter anderem Weltmeisterschaften im Skilanglauf, Biathlon und Eishockey statt. Bereits von weitem sind die Skisprungschanzen sichtbar. Deren Besichtigung lohnt auch in der nicht-winterlichen Zeit, da sich von dort oben ein herrlicher Ausblick auf die nähere Umgebung, Stadt und Seen bietet.
Der heutige Tag führte zunächst von Lahti durch die Uferlandschaft des Sees Vesijärvi nach Asikkala. Bei sehr schönem Wetter, wenn auch teilweise etwas windig, waren die Hügel auf dem Radweg relativ mühsam. Aber alle Mühe lohnte sich, den der Landrücken von Pulkhilanharju entschädigt für - fast - alles. Diese knapp 8 km lange Strecke führt durch eine landschaftlich sehr schöne Seenlandschaft und gehört zweifellos mit zum Pflichtprogramm. Der am Päijänne See gelegene Weg führt über kleine Inseln, Brücken und kleinen Wäldern über eine schmale Strasse an den Seen vorbei, dass der Gedanke aufkommt »man würde direkt auf dem Wasser radeln«.
Anschliessend geht es weniger hügelig dafür aber deutlich ländlicher weiter nach Sysmä, das auch direkt am Päijänne gelegen ist. Dieser See ist mit einer Länge von knapp 120 km der zweitgrösste Finnlands und wird uns auch an den kommenden Tagen noch das ein oder andere Mal begegnen.
Die Übernachtung erfolgte auf dem dortigen Campingplatz wo wir unter Hinweis auf möglichen, bevorstehenden Bodenfrost eine Hütte verbilligt angeboten bekamen. Hier trafen wir auch auf die ersten deutschsprachigen Betreiber eines Campingplatzes.
Die nächste Etappe führte von Sysmä nach Luhanka. Einfach der Bundesstrasse folgen und nach ca. 45 km am Ziel. Klang alles nach einem erholsamen Tagesausflug, entpuppte sich jedoch als »extrem hügelige Landschaft«. Aber das ständige Auf und Ab lohnt sich landschaftlich. Die Gegend ist irgendwie urwüchsiger, die Wälder dichter und Seen sind auch häufig auszumachen.
Sehenswert ist in Luhanka eine über 100 Jahre alte Kirche, die eine der grössten Holzkirchen Finnlands ist.
Da der Campingplatz auf dem wir ursrünglich übernachten wollten mittlerweile dicht gemacht hat, haben wir nach einer kurzen Suche einen Bauernhof als Alternative gefunden. In einem alten Gesindehaus haben wir zum ersten Mal auf unserer Reise wieder eine Nacht in völliger Dunkelheit verbringen können, die Zimmer hatten einfach keine Fenster. Was sich nach anfänglichem, ungläubigen Staunen als gelungene Abwechslung zur sonst üblichen Mitternachtssonne herausstellte.
Nach einem hervorragenden Frühstück in der Wohnküche unserer Gastgeber war heute eine weitere kurze Tour (knapp 40 km) bis Korpilahti angesagt. Die erste Hälfte lief auch erstaunlich gut, da der Schwung der Abfahrten meist für die nächste Auffahrt ausreichte. Dann aber machte uns der Hügel Vaarunvuori einen Strich durch die Rechnung. Der kilometerlange Anstieg war letztlich nur noch nach dem Motto »wer sein Fahrrad liebt, ...« zu bewältigen.
Die Weiterfahrt führt durch ein Naturschutzgebiet und schliesslich zur Brücke von Kärkistensalmi, die einen hervorragenden Blick auf die Seenlandschaft bietet. Weiter ging es nach Korpilahti und der Suche nach dem dortigen Campingplatz.
Diese war an diesem Tage relativ einfach, da zwei freundliche Finnen, die gerade die neue Stadtkarte aufhingen, uns mit Rat und Tat zur Seite standen und uns sowohl den Weg beschrieben als auch gleich dort anriefen um unser Kommen anzukündigen.
Der heutige Tag begann mit einem kurzen Stück »Hauptstrasse erster Ordnung«, eine Erfahrung auf die man auch getrost verzichten kann (leider gab es hier keine Alternative). Zumindest an diesem Samstag war ein sehr hohes Verkehrsaufkommen und der Seitenstreifen schien auch immer schmaler zu werden.
Nach wenigen Kilometern war die erste Abzweigung unser, die sich als besserer Feldweg erwies. Ab und an tauchte mal ein Auto auf, ansonsten ging es durch stille Wälder. Das einzige was zu hören war, waren das Rauschen der Bäume und hin und wieder ein paar Vögel.
So verbrachten wir knapp 30 km auf die gewohnt hügelige Art bis Koskenpää. Von dort ging es prinzipiell auf die gleiche Art weiter bis Keuruu mit einer Ausnahme, der Weg war wieder asphaltiert.
Der letzte Tag der ersten Woche brachte den ersten Dauerregen mit sich. Dieser setzte in der Nacht ein und hörte auch nach einem sehr ausgiebigen Frühstück nicht auf. Nachdem der halbe Tag sowieso schon vorbei war entschlossen wir uns einen Teil der heutigen Strecke mit der Bahn zurück zu legen. Gesagt getan, wir fuhren die Strecke Keuruu - Tuuri in knapp 90 Minuten und wurden dort von strahlendem Sonnenschein empfangen.
Dort waren es noch mal knapp 30 km bis Kuortane wo wir die Nacht auf einem Campingplatz mitten in einem Kieferwald und voller Mücken verbrachten.
Als angenehm machte sich an diesem Tag bemerkbar, dass die Landschaft zusehends flacher wurde.
Die ersten 30 km in Richtung Alajärvi bestätigten den Eindruck des gestrigen Tages, die Gegend wird zunehmend flacher. Leider verlieren damit auch die Wälder ihr urwüchsiges Aussehen und wirkten teilweise »seltsam aufgeräumt«.
Die Strecke verläuft auf einer relativ verkehrsarmen Strasse (zumindest an diesem Tage). Nach 30 km geht es an die Umrundung des Sees Lappajärvi,die nach weiteren 30 km vollbracht ist.
Schliesslich hat es auch der Regen geschafft uns einzuholen. Unsere Versuche uns im Wald unterzustellen waren eher bescheiden. Glücklicherweise befand sich ein Golfplatz in der Nähe »unseres Baumes«. Ein paar vorbeifahrende Golfer boten uns an im dortigen Clubhaus den Regen abzuwarten. Nach einer halben Stunde und ein paar Keksen ging es mit den ersten Sonnenstrahlen weiter.
Leider hielten diese nicht allzu lang und ein entferntes Donnern liess schlimmes ahnen. Es kam wie es kommen musste und die letzten 15 km fuhren wir im - ziemlich heftigen - Dauerregen nach Evijärvi. Den Tag beendeten wir auf dem dortigen Campingplatz und einem kostenlosen Saunabesuch. Das wohl nach allgemeiner, finnischer Meinung beste Mittel für zwei durchnässte und durchfrorene Radfahrer.
Am heutige Tag fuhren wir zunächst knapp 55 km bis nach Pietarsaari (Jakobstad). Die ersten 30 km boten landschaftlich zunächst das gewohnte Bild. Langsam aber sicher machte sich dann der »schwedische Einfluss« bemerkbar. Die Häuser und Ortschaften wirkten anders, Hinweis- und Strassenschilder sind auf schwedisch (und damit leichter zu merken). Erfreulicherweise gibt es auch seit langem wieder einen Radweg parallel zur Strasse.
Die meisten Einwohner von Pietarsaari sprechen schwedisch, so dass hier auch der schwedische Name der Stadt, Jakobstad, weitaus häufiger genutzt wird, als der finnische. Jakobstad blickt auf eine lange Geschichte zurück. Gegründet im Jahre 1652 wurde die Stadt von Ebba Brahe, die die Stadt nach ihrem verstorbenen Mann, Jacob de la Gardie, benannt hat. Der Ort entwickelte sich relativ schnell zu einer bedeutenden See- und Handelsstadt, die auch durch den Schiffsbau an Bedeutung errang. Das Gebiet rund um den alten Hafen ist auch heute noch kulturelles Zentrum und mitten in der Stadt, direkt am Meer gelegen.
Kurz vor Jakobstad gibt es zwei Möglichkeiten zur Weiterfahrt, eine kürzere (25 km) und eine etwas längere (35 km). Natürlich haben wir uns für die letzte Variante entschieden und folgten damit laut Radführer »den Archipel der Sieben Brücken, eine wunderschöne Inselwelt mit 360 grösseren und kleineren Eilanden«, weiter bis nach Kokkola.
Abgesehen davon, dass in Kokkola wieder finnisch als Sprache dominiert, haben beide Städte viele Gemeinsamkeiten aufzuweisen. Auch Kokkola wurde im 17. Jahrhundert gegründet und hatte sich einen Namen als Handelsplatz gemacht. Gleichfalls wurden hier zahlreiche Schiffe gebaut, um anschliessend in die weite Welt hinaus zu segeln. Ausserdem verfügen beide Städte über sehenswerte Holzhausviertel.
Der heutige Tag führte weiter die Küstenstrasse, eine der ältesten Landstrassen des Landes, von Kokkola nach Kalajoki. Die Uferstrasse von Österbotten diente bereits im 16. Jahrhundert als Verbindung zwischen den Küstendörfern um den Bottnischen Meerbusen herum nach Schweden.
In der Gegenwart machte sich die Küste in erster Linie durch aufkommenden Wind und hin und wieder ein paar Möwen bemerkbar. Von Meer oder Küste war weit und breit nichts zu sehen, dafür die allgegenwärtigen Wälder.
Auf halber Strecke liegt die Küstengemeinde Himanka. In deren Mitte befindet sich ein historischer Marktplatz aus dem 16. Jahrhundert, mit mehreren alten Fischerhütten und einer alten Holzbrücke. Diese führt über eine Stromschnelle und bietet eine schöne Aussicht auf die nähere Umgebung. Da die Brücke für Autos gesperrt ist, kann hier in aller Ruhe nach dem passenden Fotomotiv gesucht werden.
Nach weiteren knapp 25 km folgt die Camping- (Ferien-) Anlage von Kalajoki. Dort befindet sich auch der Hiekkasärkät, ein kilometerlanger Strand, der zu den beliebtesten Ausflugszielen Finnlands zählt.
Die kleine Ortschaft Kalajoki verdankt ihren Bekanntheitsgrad in erster Linie dem dort befindlichen Sandstrand inmitten der »nördlichsten Dünenlandschaft Finnlands«, zumindest laut Werbung der dortigen Tourismuszentrale. Der kilometerlange und feinkörnige Strand ist alles andere, was man in diesen Breitengraden erwarten würde. Entsprechend breit ist hier auch das Angebot an Unterkünften und gastronomischen Einrichtungen gefächert.
Der Küstenstrasse (E8) weiter folgend ging es von Kalajoki nach Raahe. Die Strecke bot keinerlei grösseren Überraschungen bis auf einmal mehr die Tatsache, mit dem Fahrrad - legitim - auf einer Europastrasse unterwegs zu sein. Im Gegensatz zu unseren Vorstellungen vor dem Urlaub, ist die E8 einspurig in jede Richtung und ähnelt somit eher einer »normalen Bundesstrasse«, als einer Verbindungsstrasse zwichen den Ländern. Bei geringem Verkehrsaufkommen bietet sich die E8 durchaus als Alternative zu den Nebenstrassen an. Zum einen ging es hier relativ zügig voran und zum anderen haben wir keine der wenigen Tankstellen versäumt (und hatten somit kein Verpflegungsdefizit).
In Raahe angekommen besichtigten wir die dortige Altstadt, die zu einer der am besten erhaltenen Städte in Holzbauweise, aus dem 19. Jahrhundert, in ganz Finnland gehört. Die Bauwerke entstanden in den Jahren 1811 - 1870 und in deren Zentrum findet sich eine Statue des Gründers von Raahe, Per Brahe. Ein Abstecher lohnt auch das Museum für Seefahrt mit dem Alten Herrn, dem ältesten Taucheranzug der Welt.
Der heutige Tag begann wie der gestrige aufhörte. Entlang der E8 weiter in »Richtung Norden«. Prinzipiell wäre auch ein Umweg über die Dörfer in Küstennähe möglich gewesen (aber da von der Küste selten was zu sehen ist). Beide Wege enden in Liminka und hier endet auch die Möglichkeit die E8 per Rad zu nutzen. Ein entsprechendes Verkehrsschild weisst eindeutig darauf hin, dass hier fortan weder Fußgänger noch Radfahrer was zu suchen haben.
Also geht es gemütlich (mit sehr wenig Autos) über die parallel zur E8 verlaufende Strasse 847 weiter, zunächst in Richtung Kempele. Hier befindet sich das grösste Einkaufszentrum Nordfinnlands.
Von dort ist es nicht mehr weit bis nach Oulu, der sechstgrössten Stadt Finnlands und der grössten im Norden. Der dortige Campingplatz ist direkt am Meer gelegen und bietet gleichfalls Strand und Dünen (hat aber nicht den Bekanntheitsgrad von Kalajoki).
Vom Campingplatz Nallikari aus führt ein Radweg über die Insel Pikisaari und einigen Brücken direkt zum Marktplatz und damit ins Zentrum von Oulu. Wer Zeit hat sollte diesen »Umweg« unbedingt machen. Oulu verfügt über ein gut ausgebautes Netz an Fahrradwegen (knapp 400 km insgesamt), so dass auch ausgedehnten Erkundungen nichts im Wege steht.
Weiter ging es auf Radwegen und durch verschiedene Ortschaften nach Haukipudas. Hier endete nach weiteren 10 km leider der Radweg und es ging auf dem Seitenstreifen weiter über Ii nach Olhava, wo nach ca. 2/3 der Strecke etwas abseits direkt am Meer gelegen ein kleiner Campingplatz liegt, der uns für eine weitere Nacht Quartier bot.
Am nächsten Tag ging es weiter die Küstenstrasse entlang, bis wir kurz hinter Kuivaniemi die Grenze zu Lappland erreichten. Nach einem kurzen Imbiss ging es die E8 weiter nach Kemi, zu der es hier so gut wie keine Alternativen gab.
Kemi kann wegen seiner günstigen Lage, direkt am Kemijoki, auf eine lange Tradition als Handelsplatz zurückblicken. Nach wie vor bietet sich Kemi als »Durchgangsstation« an. So sollten hier auch - falls erforderlich - die Lebensmittelvorräte aufgefrischt werden, um gut gerüstet den Endspurt anzugehen.
Nach Kemi geht es weiter in Richtung Tornio um nach der Überquerung des Kemijoki rechts abzubiegen. Anschliessend geht es über Liedakkala weiter nach Törmä.
Der Streckenabschnitt ist sehr schön zu fahren, durchgängig auf Radwegen, parallel zu einer wenig befahrenen Strasse. Entlang am Kemijoki, führt die Strecke an einigen Einfamilienhäusern vorbei zum Campingplatz nach Törmä. Dieser ist auf einer Anhöhe direkt am Fluss gelegen und bietet eine herrliche Aussicht auf die nähere Umgebung.
Die letzte und längste Etappe stand heute an. Bis Rovaniemi, der Hauptstadt Lapplands, waren es um die 100 km. Da der Campingplatz etwas ausserhalb liegt kommen noch mal um die 10 km dazu. Es gibt noch einen weiteren Platz, direkt im Zentrum gelegen. Da wir jedoch ein paar Tage dort verbringen wollten, haben wir den ausserhalb gelegenen Campingplatz vorgezogen.
Entsprechend früh (immerhin kurz vor 8.00 Uhr) ging es morgens los. Die Strecke verläuft parallel und beidseitig zum Kemijoki, der mitten durch Rovaniemi fliesst. Auf der linken Seite verläuft die E75 ab Tervola und auf den letzten 40 km mit Radwegen. Auf der rechten Flusseite eine Strasse dritter Ordnung. Für beide Seiten gilt gleichermassen, dass es eine landschaftlich sehr schöne Strecke ist. Die östliche Seite dürfte die verkehrsärmere und ruhigere Wahl sein. Vereinzelte Brücken ermöglichen ab und an die Überquerung des Flusses. Hier sollte jedoch öfter auf die Karte gesehen werden, da nicht alle Brücken von der Strasse aus zu sehen sind.
Auf den letzten Kilometern wird es noch mal hügelig, was kurz vor Rovaniemi seinen krönenden Abschluss mit einem stetig, langem Anstieg findet. Die »Belohnung« lässt nicht lange auf sich warten. Nach dem letzten Anstieg ist das in einem Talkessel gelegene Endziel erstmalig von weitem sichtbar. Was folgt ist eine mehrere Kilometer lange Strecke, bei der es - fast - nur noch bergab geht und die eine traumhafte Zieleinfahrt nach Rovaniemi bietet.
Rovaniemi erlitt im Zweiten Weltkrieg das gleiche Schicksal wie zahlreiche andere Städte leider auch, es wurde beim Rückzug der deutschen Armee dem Erdboden gleich gemacht. Anschliessend wurde es unter Mitwirkung des bekannten Architekten Alvar Aalto neu aufgebaut. Das neue Stadtbild soll, aus der Luft betrachtet, die Form eines Rentiergeweihs haben.
Wer Zeit hat sollte einige Tage Zeit für Rovaniemi einplanen. Zum dortigen Pflichtprogramm gehört das Arktikum, einem von aussen futuristisch anmutendem Museum, welches sich ausgiebig mit der arktischen Kultur und Natur auseinandersetzt. Weiterhin interessant sind Kunst- und Forstmuseum sowie - wer noch nicht genug Steigungen hatte - der Ounasvaara. Hierbei handelt es sich um ein vor den Toren Rovaniemis gelegenes Sportzentrum, welches - einmal oben angekommen - einen herrlichen Ausblick auf die nähere Umgebung bietet.
Rovaniemi bietet sich auch als Ausgangspunkt für diverse Tagesausflüge an. Auf einem dieser Ausflüge passierte es, urplötzlich, wie aus dem nichts waren sie da. Auf der gegenüberliegenden Fahrbahnseite, genüsslich kauend sahen wir die ersten Rentiere dieses Urlaubs.
Wie es sich für einen »ordentlichen Touristen« gehört, machten wir auch einen Ausflug zum Polarkreis (Napapiiri) und zum »Dorf des Weihnachtsmanns«. Hier gibt es ganzjährig alles mögliche (und noch einiges mehr) für den weihnachtlichen Souvenirjäger. Ausserdem besteht hier die Möglichkeit den »einzig echten Weihnachtsmann« zu sehen, der hier zu Hause ist und sich mit ihm fotografieren zu lassen. Einen weiteren Besuch lohnt das »Hauptpostamt des Weihnachtsmanns« sowie eine in der Nähe gelegene Husky-Farm.
Wer immer noch nicht seine »Dosis Weihnachten« abbekommen hat, findet in dem einige Kilometer entfernten Santa Park vielleicht das Gewünschte. Hier gibt es die Möglichkeit, gegen Eintritt, sich von dem »Weihnachts-Rummel« unterirdisch berieseln zu lassen.
Irgendwann ist der schönste Urlaub zu Ende, was in unserem Fall hiess, dass wir den Nachtzug von Rovaniemi nach Helsinki nahmen, um dort noch für drei Tage die Stadt zu besichtigen. Der Santa Claus Express fuhr abends um 21:10 Uhr (pünktlich) in Rovaniemi ab und kam um 8:40 Uhr (wiederum pünktlich) am nächsten Tag in Helsinki an.
Finnland ist eines der am dünnsten besiedelten Länder Europas. Die Bevölkerungsdichte liegt bei knapp 17 Einwohnern pro km. Der überwiegende Teil der Bevölkerung lebt im Süden des Landes. Dort befinden sich die grossen Ballungsgebiete rund um Helsinki, Espoo, Tampere, Vantaa und Turku. Die einzige, grössere Stadt im Norden ist Oulu.
Etwa zwei Drittel der Fläche sind von Wald und 10% von Wasser bedeckt. Die Bezeichnung »Land der 1000 Seen« ist eine starke Untertreibung, eine Zählung finnischer Geographen ergab 187.888 Seen. Weite Teile des Landes sind somit geprägt von grossen Seen- und Waldflächen, die das landschaftliche Bild bestimmen.
In den meisten Reiseführern ist zu lesen, dass Finnland ein flaches Land sei. Im Grunde genommen stimmt diese Behauptung auch, dennoch gibt es vielerorts kurze, aber kräftige Anstiege, die nicht zu verachten sind und zumindest eine »gewisse Grundkondition« erfordern. Höhere Berge sucht man dagegen vergebens.
Die ebenfalls häufig anzutreffende Aussage, die Finnen seien schweigsame und verschlossene Menschen, kann von unserer Seite so nicht bestätigt werden. Wir haben die Finnen (überwiegend) als hilfreiche und freundliche Zeitgenossen erlebt. Egal ob es sich dabei um eine Wegbeschreibung, die vereinzelt bis zur Skizzierung der Strecke führte oder der Inaugenscheinnahme unserer Räder handelte, die Konversationen verliefen genauso herzlich wie der abendliche Plausch mit Radler-Kollegen. Selbst wenn keine gemeinsame Sprache vorhanden war, unterhielten wir uns prächtig. Verwundern darf auch nicht, dass die Finnen munter auf finnisch drauf los erzählen und sich auch nicht im entferntesten davon abbringen lassen, wenn ihr Gegenüber auch nicht die kleinste Silbe versteht.
Die finnische Sprache ist mit dem Ungarischen und Estnischen verwandt und gilt im Allgemeinen als »schwierige Sprache«. Viele Finnen sprechen jedoch Englisch und auch Deutsch wird vereinzelt verstanden. Die grösste Schwierigkeit im Umgang mit dem Finnischen bestand für uns eigentlich darin, den Namen des nächsten Ortes für einen längeren Zeitraum zu behalten.
Der Einfluss des Kontinentalklimas sorgt für sehr kalte Winter, aber auch für relativ warme Sommer (Tagestemperaturen um 25° C sind dann keine Seltenheit). In den Monaten Juni und Juli wird es nicht mehr richtig dunkel und nördllich des Polarkreises geht die Sonne überhaupt nicht mehr unter.
Bezüglich der Niederschlagsmenge gibt es keine wesentlichen Unterschiede zu Mitteleuropa. Allerdings mussten wir mehrfach die Erfahrung machen, dass sich die Wetterlage schlagartig ändern kann. Da wir keine Wetterpropheten sind, kam dies auch meist völlig unvorbereitet.
Beste Reisezeit ist von Mitte Juni bis Mitte August. Allerdings ist hier auch die Hauptferienzeit der Finnen. Ab August kann es anfangen wieder kühler zu werden und die ersten touristische Einrichtungen schließen bereits wieder.
Auf den Strassen rund um Helsinki, den südlichen Europastrassen sowie der Nord-Süd-Verbindung (E75) ist mit erhöhten Verkehrsaufkommen zu rechnen. Die anderen Strassen sind meist weniger befahren. Diese Regel wird Freitag nachmittag ausser Kraft gesetzt, da hier die meisten Finnen raus ins Grüne, sprich zu ihrem Wochenendhäuschen fahren.
Viele Strassen weisen einen Seitenstreifen auf, der, wenn nichts anderes angegeben ist, zum Radfahren genutzt werden kann. Ist ein Radweg vorhanden, so muss dieser auch genutzt werden.
Wir hatten den Eindruck, dass je nördlicher es ging, die Radwege zunahmen, die Strassen insgesamt weniger befahren waren und es häufiger Nebenstrassen gab, um Hauptstrassen gegebenenfalls umfahren zu können.
Die folgenden Angaben entsprechen den tatsächlich gefahrenen Kilometern. Sie schliessen Besichtigungen (freiwilliger und unfreiwilliger Natur), Unterschlupfsuche bei schlechtem Wetter, usw. mit ein und sind deshalb nur als Richtwerte zu sehen.
| 05.06.2005 | Helsinki - Järvenpää, 43 km | |
| 06.06.2005 | Järvenpää - Lahti, 100 km | |
| 08.06.2005 | Lahti - Sysmä, 74 km | |
| 09.06.2005 | Sysmä - Luhanka, 54 km | |
| 10.06.2005 | Luhanka - Korpilahti, 48 km | |
| 11.06.2005 | Korpilahti - Keuruu, 62 km | |
| 12.06.2005 | Keuruu - Kuortane, 40 km | |
| 13.06.2005 | Kuortane - Evijärvi, 83 km | |
| 15.06.2005 | Evijärvi - Kokkola, 96 km | |
| 16.06.2005 | Kokkola - Kalajoki, 69 km | |
| 17.06.2005 | Kalajoki - Raahe, 76 km | |
| 18.06.2005 | Raahe - Oulu, 94 km | |
| 19.06.2005 | Oulu - Olhava, 60 km | |
| 20.06.2005 | Olhava - Törmä, 88 km | |
| 21.06.2005 | Törmä - Rovaniemi, 122 km |
In Finnland gibt es ca. 350 Campingplätze, von denen sich die meisten im Süden befinden. In der Regel sind die Plätze in einem Wald oder an einem See bzw. am Meer gelegen. Die Plätze sind gut ausgestattet, fast alle verfügen über eine Koch- und Einkaufsmöglichkeit, sanitäre Anlagen sowie eine Sauna. 200 der Campingplätze sind der Finnish Campingsite Association angeschlossen. Dieser Verband hat die einzelnen Plätze in verschiedene Kategorien (ein bis fünf Sterne) klassifiziert. Der Standard auf einem Fünf-Sterne-Campingplatz ist entsprechend hoch, aber auch Ein-Sterne-Plätze müssen über sanitäre Anlagen, Kochmöglichkeiten und eine Mindestkapazität an Stellplätzen verfügen.
Auf der Tour übernachteten wir unter anderem auf den folgenden Plätzen:
Mukkula Camping, 15240 Lahti
Sysmä Camping, 19700 Sysmä
Keuruu / Nyyssänniemi, 42700 Keuruu
Camping Aholankangas, 63100 Kuortane
Sillankorvan leirintäalue, 62500 Evijärvi
Camping Suntinsuu, 67100 Kokkola
Top Camping Hiekkasärkät, 85100 Kalajoki
Raahe Camping, 92100 Raahe
Nallikari Camping, 90015 Oulu
Seljänperän Leirintä Ky, 91140 Olhava
Törmä Camping, 95315 Törmä
Napapiirin Saarituvat, 96900 Saarenkylä
In diesem Zusammenhang noch die Anmerkung, dass wir auf der vierwöchigen Campingtour nicht einmal unseren eigenen Kocher nutzen mussten, sondern immer die jeweilige Einrichtung genutzt haben. Ein Verzeichnis der Campingplätze, welches Informationen über Ausstattung, Lage und Preise enthält, kann von den Tourismuszentralen oder direkt bei dem Verband angefordert werden.
Für das Zelten ist ein nationaler oder internationaler Campingausweis erforderlich. Falls keiner vorhanden ist kann auf den Plätzen eine Camping Card Scandinavia erworben werden, die für ein Jahr gültig ist und auf einzelnen Plätzen Preisvorteile mit sich bringt.
Wie in anderen skandinavischen Ländern auch, gibt es in Finnland das Jedermannsrecht, welches unter anderem auch das freie Zelten unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.
Als weitere Übernachtungsmöglichkeiten bieten sich Jugendherbergen, Bauernhöfe, Privatunterkünfte (teilweise »Bed & Breakfast«) und Hotels der unterschiedlichsten Preiskategorien an. Auch hier gilt, dass sich diese überwiegend im Süden befinden und das Angebot in Richtung Norden abnimmt.
Zu dem Thema »Mücken« äussert sich die Finnische Zentrale für Tourismus wie folgt:
Finnland ist das Land der vielen Seen. Die Natur ist noch sauber und rein. Das zieht auch die Mücken an - aber nur für wenige Wochen im Hochsommer. In Süd- und Mittelfinnland treten diese fast nur in feuchten, windstillen Gebieten auf. Besonders in Nordfinnland ist Mückenschutz angeraten. Erprobte Mittel - vielfach auf pflanzlicher Basis - werden in Drogerien und Apotheken angeboten. Im Freien helfen die dort ebenfalls erhältlichen Räucherspiralen.
Dem ist nichts hinzu zu fügen. Als weitere Plagegeister gibt es auch Stechfliegen (Bremsen), die sich nicht von Wind abhalten lassen und auch während der Fahrt stechen können. Auch hier ist gegebenenfalls ein entsprechender Schutz erforderlich.
Die hier beschriebene Tour lässt sich mit einem Reise- oder Trekkingrad bequem nachfahren. Aufgrund der hügeligen Landschaft in Süd- und Mittelfinnland sollte eine Schaltung mit berggängiger Übersetzung vorhanden sein. Das Streckenprofil bietet das ganze Angebot, von asphaltierten Strassen bis zu Wald- und Feldwegen, was bei der Reifenwahl beachtet werden soll.
Für den Fall der Fälle gibt es in den (grösseren) Städten meist ein Fahrradgeschäft, die in der Regel gut sortiert sind. Dennoch empfiehlt es sich, spezielle Ersatzteile mitzuführen.
Helmpflicht:
Auch hierzu ein Zitat, diesmal vom Finnish Tourist Board:
Laut Gesetz müssen Radfahrer sowie mitfahrende Personen beim Fahrradfahren in Finnland einen zweckmäßigen Schutzhelm tragen. Bei Nichtbefolgung wird dies jedoch nicht bestraft.
Bahn:
Das Schienennetz ist in Finnland gut ausgebaut (im Süden besser als im Norden) und verbindet alle wichtigen Städte und Regionen miteinander. Die Mitnahme der Räder bereitet in der Regel keine Probleme. Gleiches gilt für den Nahverkehr, mit Ausnahme von Helsinki, dort ist während der Berufszeiten morgens und abends die Mitnahme verboten. In den Expresszügen können Fahrräder ebenfalls transportiert werden, allerdings ist hier eine vorherige Reservierung erforderlich (gegebenenfalls auf »Nummer sicher« gehen und sich vorab erkundigen).
Als Preisbeispiel mag hier die Strecke Rovaniemi - Helsinki dienen, die im Schlafwagenabteil (für zwei Personen) inklusive Fahrrad knapp 100,- € pro Person gekostet hat.
Die Karten können direkt vor Ort, in Tankstellen, Buchhandlungen oder - mit etwas Glück - in den Touristenbüros, gekauft werden. Alternativ können diese zur Vorbereitung der Tour auch übers Internet bestellt werden.
Wir hatten bei unserer Tour folgendes Kartenmaterial genutzt:
GT-Serie, insgesamt 6 Freizeitkarten verfügbar (für ganz Finnland), die in erster Linie für Radfahrer gedacht sind, mit Angaben zu verschiedenen Routen und Radwegen sowie Unterkunfts- und Einkaufsmöglichkeiten. Der Preis liegt bei 16,- € pro Karte (vor Ort).
GT-Serie, insgesamt 18 Strassenkarten verfügbar (für ganz Finnland), mit Höhenlinien und Touristeninformationen. Der Preis liegt bei 10,- € pro Karte (vor Ort).
Radführer Finnland, Die Route Mittelfinnland und Die Küstenroute; verschiedene Etappen des jeweiligen Abschnitts werden detailliert beschrieben und mit einer Vielzahl von Hinweisen versehen. Die Radführer sind bei der Finnischen Zentrale für Tourismus erhältlich.
Für die (grösseren) Städte halten die Touristenbüro Stadt- und Freizeitkarten bereit, auf denen die Sehenswürdigkeiten sowie die vorhandenen Radwege verzeichnet sind.