Suchmaschinen-Optimierung


- Veröffentlicht in freeX 04/08 -



Suchet und ihr werdet finden hieß es schon in der Bibel. Nachdem die eigene Website mit viel Mühe erstellt und ins Internet gestellt wurde, kommt oftmals das böse Erwachen, die erhofften Besucher bleiben aus. Einer der möglichen Gründe hierfür ist, dass oftmals das Hauptaugenmerk auf das optische Erscheinungsbild der Seiten gelegt wird, statt auch Aspekte der Suchmaschinen-Optimierung (Search Engine Optimization, SEO) zu berücksichtigen.

In der Hauptsache gilt es zwei Punkte zu beachten. Zum einen muß der Inhalt der Seiten ansprechend und interessant sein und zum anderen sollten soviel wie möglich andere Seiten auf die eigene verweisen. Diese sogenannten Inbound-Links sind eigentlich das wichtigste Mittel um ein gutes Ranking zu erzielen. Alle weiteren Maßnahmen, sind - nicht minder wichtiges - Beiwerk, um den gesamten Webauftritt positiv abzurunden bzw. weiter nach oben zubringen.




Verzeichnisdienste

Prinzipiell lassen sich zwei Arten von Suchmaschinen unterscheiden, die herkömmlichen Suchmaschinen wie beispielsweise Google oder Yahoo! sowie die Verzeichnisdienste, hier sei als Beispiel das Open Directory Project (DMOZ) genannt.

Bei Verzeichnisdiensten handelt es sich um Datenbanken die eine baumförmige Struktur haben. Je tiefer es geht, desto differenzierter sind die Verzweigungen. Betreut wird das Open Directory Project von einer Vielzahl freiwilliger Editoren, die die angebotenen Daten systematisch katalogisieren und über den Verzeichnisdienst zur Verfügung stellen.

Während eine Website bei den Verzeichnisdiensten vorgeschlagen bzw. angemeldet wird, wird der Internetauftritt von den Suchmaschinen anhand bestimmter Kriterien gefunden. Hier tritt die Suchmaschinen-Optimierung auf den Plan, es wird versucht durch verschiedene Maßnahmen die eigene Website auf höhere Positionen der Suchabfragen zu bringen und das Ranking zu verbessern.

Die Vorgehensweise und Algorithmen der Betreiber der Suchmaschinen werden geheim gehalten, um so einen Missbrauch zu erschweren. Der eigene Erfolg läßt sich dahher nur durch fortwährende Analyse der Suchergebnisse messen. Eine der wichtigsten Tugenden bei der SEO ist Geduld.




Wie suchen Google und Co.?

Suchmaschinen setzen sogenannte Webcrawler (auch als Spider, Robot oder Bot bezeichnet) ein, die das Internet untersuchen und einzelne Seiten analysieren. Dabei handelt es sich um ein Programm welches das menschliche Suchverhalten simulieren soll. Gefundene Seiten werden gelesen, dort gefundene Links gespeichert und der Reihe nach besucht. Auf diese Weise sollen so viel Webseiten wie möglich erfasst werden.

Die erfassten Seiten werden mit einem Index belegt und in einer Datenbank gespeichert, wo sie von den Anwendern per Eingabeformular abgefragt werden können. Hierbei werden verschiedene Algorithmen angewandt, die das Ranking der Seiten festlegen. Wie diese Algorithmen arbeiten ist das große Geheimnis der Betreiber der Suchmaschinen.

Ob und welche Seiten ein Webcrawler indizieren soll kann über die Datei robots.txt beeinflusst werden. Diese Datei wird bei der Analyse einer neu gefundenen Webseite als erstes ausgewertet. Die dortigen Hinweise werden zwar von den meisten Webcrawlern berücksichtigt, bieten aber keinerlei Schutz, daß die Seiten nicht gefunden werden. Die Datei wird prinzipiell im Hauptverzeichnis der Domain gesucht.

So sollte es normalerweise keinen sinnvollen Grund geben, warum Crawler das Verzeichnis phpmyadmin/ besuchen sollten.

User-agent: *
Disallow: /phpmyadmin/

Hier wird zunächst angegeben, für wen (User-agent) die Anweisung gilt (in dem Beispiel alle Webcrawler) und in der Folgezeile die Anweisung selbst (hier wird der Zugriff auf das angegebene Verzeichnis verboten). Im Grunde genommen können hier auch bestimmte Suchmaschinen angegeben werden, was allerdings im Hinblick auf Suchmaschinen-Optimierung weniger sinnvoll erscheint.

Ein Allow ist nicht vorgesehen. Es ist also notwendig alle Verzeichnisse, die gegebenenfalls von der Indizierung ausgenommen werden sollen zeilenweise mit einem führenden Disallow aufzuführen. Hier können sowohl Datei- als auch Verzeichnisnamen angegeben werden. Vorsicht ist bei einer Angabe wie

Disallow: /private

geboten.

Hier wird nicht nur der Zugriff auf das Verzeichnis /private sondern auch auf eine eventuell vorhandene Datei private.html. Verzeichnisse sollten daher stets mit einem abschliessenden Schrägstrich aufgeführt werden.

Um alle Dateien und Verzeichnisse von der Analyse der Crawler auszuschliessen sind folgende Angaben erforderlich:

User-agent: *
Disallow: /

Bei den Angaben in der Datei robots.txt ist darauf zu achten, dass diese syntaktisch korrekt sind. Selbst kleine Fehler können dazu führen, dass die Seiten von den Suchmaschinen ignoriert werden.




Gedanken im Vorfeld

Bevor es an die Programmierung der einzelnen Webseiten geht sollten im Vorfeld bereits ein paar Überlegungen bezüglich der gesamten Webpräsenz erfolgen. Hierzu zählen insbesondere die Wahl geeigneter Keywords, also dem oder den Begriffen, über die Nutzer von Suchmaschinen Seiten zu einem bestimmten Thema suchen.

Hier gilt es sich zunächst zu überlegen, welche Suchbegriffe Nutzer eingeben könnten, um nach der eigenen Seite zu suchen. Die gewählten Keywords sollten sich von der Masse abgrenzen. Hierbei bieten sich unter anderem eine Konkurenzanalyse oder eine einfache Suchabfrage bei verschiedenen Suchmaschinen mit den gewählten Begriffen an.

Negativ wirkt sich eine übertrieben häufige Nutzung einzelner oder mehrerer Keywords im Text aus. Darüber hinaus ist es absolut schädlich Begriffe zu verwenden, die mit der angebotenen Website überhaupt nichts zu tun haben. Webcrawler sind in der Lage derartiges Vorgehen zu durchschauen, was letztlich nur Minuspunkte einbringt.

Weiterhin zu beachten ist, dass Suchmaschinen nur HTML auswerten können und bei weitem nicht so tolerant sind wie beispielsweise Webbrowser bei der Darstellung von HTML-Seiten. Es sollte demnach darauf geachtet werden, dass der gesamte HTML-Code fehlerfrei ist. Javascript oder Flash können ebensowenig wie Bilder ausgewertet werden. Hier können unter anderem der Dateiname (zum Beispiel angkor_wat.jpg statt photo_0042.jpg), die Angaben der alt-Attribute sowie der Text in unmittelbarer Nähe der Graphiken relevant sein.




Aufbau der HTML-Seiten

Bei der Gestaltung der HTML-Seiten gibt es verschiedene Regeln zu beachten. Die wichtigste Regel lautet: Die Seite(n) sollten für die Nutzer geschrieben sein und nicht für Suchmaschinen. Bei allen Optimierungsmaßnahmen sollte nicht vergessen werden, für wen die Seiten eigentlich gemacht werden.

Bei dem Kopf einer HTML-Seite verdienen zwei Parameter besondere Aufmerksamkeit, der title- sowie die Metatags. Die Angabe eines individuellen und aussagekräftigen Titels ist für jede Seite ist unerlässlich.

Es finden sich im Internet zahlreiche Seiten mit vollkommen sinnlosen Titel wie beispielsweise Index oder Herzlich Willkommen. Der Titel sollte einen Bezug zum Inhalt der Seite haben und aus wenigen, relevanten Stichworten bestehen. So ist es beispielsweise sinnvoller statt Schulze und Schultze einen Titel wie Detektei Schulze und Schultze private und diskrete Ermittlungen zu wählen.

Die Anzahl der Zeichen des Titels sollte sich im zweistelligen Bereich bewegen, ansonsten kann es passieren, dass zu lange Titel von den Suchmaschinen ignoriert werden. Nicht nur die Eingangsseite, auch jede weitere Seite sollte einen eigenen Titel haben, der zu dem jeweiligen Inhalt einen Bezug hat.

Auch wenn Metatags mittlerweile eine geringere Bedeutung zukommt als in der Vergangenheit (da hier zahlreich Mißbrauch betrieben wurde) sollte nicht auf den description-Tag verzichtet werden. Dabei sollten diese Angaben zusammen mit dem Titel den Inhalt der Seite wiedergeben.

Bei der Strukturierung der Websites ist folgendes zu beachten:

Von den meisten Suchmaschinenbetreibern wird eine Sitemap für hilfreich angesehen. Hierdurch wird Besuchern und Webcrawlern das Auffinden einzelner Seiten gleichermassen vereinfacht.

Grundsätzlich empfiehlt es sich im Hinblick auf Suchmaschinen-Optimierung die Grundsätze barrierefreies Webdesign einzuhalten. Ein barrierefreier Zugang bedeutet gleichzeitig auch suchmaschinenfreundlich.



Barrierefreies Webdesign

Barrierefreies Webdesign bedeutet, die uneingeschränkte Nutzung der angebotenen Seiten unabhängig von den körperlichen und technischen Möglichkeiten der Anwender. Diese Umschreibung ist sehr umfassend zu sehen, hierzu zählen unter anderem Nutzer mit Behinderungen (beispielsweise einer Sehschwäche) oder technischen Einschränkungen (zum Beispiel Handy, PDA oder bei der Nutzung von textbasierten Browser).

Grundsätzlich sollten für barrierefreie Seiten Inhalt und Layout strikt voneinander getrennt werden und nur gültiges HTML und CSS verwendet werden. Auch hier gilt es nach Möglichkeit auf Javascript und Flash zu verzichten sowie Bilder und Graphiken mit dem alt-Attribut zu versehen.

Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Möglichkeiten, unter anderem:

Einige der hier angesprochenen Maßnahmen widersprechen (wie auch im Zusammenhang mit der Suchmaschinen-Optimierung) den Anforderungen an ein modernes Webdesign. Hier gilt es individuell abzuwägen was wichtiger erscheint, eine Website im Sinne von Web 2.0 und der Anwendung von Technologien wie Ajax oder ein barrierefreier Zugang. Eventuell ist auch hier die goldene Mitte der richtige Weg.




Besser nicht!

Bislang wurden verschiedene Maßnahmen aufgezeigt die das Ranking einer Website verbessern können. Es gibt jedoch auch einige Verfahren, die insgesamt mehr schaden als nutzen. Dazu gehört beispielsweise versteckte Inhalte oder Links (zum Beispiel durch weiße Schrift auf weißem Hintergrund) bereitzustellen.

Auch den Suchmaschinen einen anderen Inhalt der Seiten übermitteln als den Anwendern (sogenanntes Cloaking) kann sich äußerst negativ auswirken. Gleiches gilt für Keywords, die nichts mit den eigenen Seiten zu tun haben bzw. ein weit übertriebener Gebrauch von normalerweise passenden Keywords (Keyword Stuffing).

Vor sogenannten Linkfarmen kann ebenfalls nur gewarnt werden. Dabei handelt es sich um um eine reine Zweckgemeinschaft, die nur das Ziel verfolgt die Anzahl der Verlinkungen zu erhöhen. Die größeren Suchmaschinenbetreiber warnen ausdrücklich vor einer Nutzung und ahnden dieses Vorgehen als Verstoß gegen ihre Leitlinien.

Google reagiert auch bei automatischen Anfragen sehr empfindlich.

Im Grunde genommen sagt einem bereits der gesunde Menschenverstand was sich negativ auswirken kann und was nicht. Wenn die aktuellen Änderungen ein seltsames Gefühl in der Magengegend hinterlassen, ist es vielleicht doch ratsamer einen anderen Weg einzuschlagen.

Verstöße können auf verschiedene Arten geahndet werden. So kann beispielsweise die Website aus dem Index entfernt werden oder das Ranking kann sich erheblich verschlechtern.




Nachdem die Seiten angelegt wurden

Generell empfiehlt es sich während des schreibens der Webseiten, diese mit einem Textbrowser wie Lynx oder w3m zu überprüfen. Können verschiedene Seitenelemente nicht dargestellt werden, kann es möglicherweise auch bei der späteren Analyse durch einen Webcrawler zu Schwierigkeiten kommen.

Jede HTML-Seite sollte nach ihrer Fertigstellung validiert werden, gleiches gilt für die CSS-Stylesheets. Entsprechende Programme finden sich unter

W3C Markup Validation Service

bzw.

W3C CSS Validierungsdienstes

Validierung von HTML-Seiten

Abb. 1 Validierung von HTML-Seiten

Suchmaschinen mögen Seiten, deren Inhalte stets aktualisiert und gepflegt werden sowie keine toten Links aufweisen.

Auch hier hilft die W3C weiter, unter

W3C Link Checker

können Webseiten auf tote Links überprüft werden.

Überprüfung auf tote Links

Abb. 2 Überprüfung auf tote Links

Verlinken von anderen Seiten ist extrem wichtig, hier bieten sich unter anderem Verzeichnisdienste, Foren, u.ä. an um auf die eigene Seite aufmerksam zu machen. Warum Links als wichtig angesehen werden, ist leicht verständlich. Wenn viele (fremde) Seiten auf eine bestimmte verweisen, muss es sich um eine interessante handeln. Denn wer würde schon freiwillig auf eine uninteressante oder unseriöse Seite verweisen. Wobei hier Suchmaschinen ein ähnliches Verhalten wie der menschliche Anwender an den Tag legen sollen. So werden Verweise einer Seite Kleingartenkolonie zu einer Fluggesellschaft anders bewertet als die Verweise eines Reisebüros zu der Fluggesellschaft.

Wie aber können Betreiber anderer Seiten auf die eigene aufmerksam gemacht werden? Eine Möglichkeit ist die rege Teilnahme an Foren mit einer ähnlichen Thematik wie der eigenen. Hier kann bei jedem Posting die URL dezent in der Signatur untergebracht werden. Selbst wenn diese mit den nofollow Attribut versehen sind und primär keinerlei Auswirkung hat, ist doch sehr wahrscheinlich, dass das Interesse von einem oder mehreren Mitglieder der Foren geweckt wurde und diese dann die eigene Seite besuchen. Somit ist der direkte Erstkontakt hergestellt, alles weitere kann sich dann ergeben.

Eine weitere, ähnliche Variante ist das kostenlose Anbieten von Bildern, Anleitungen, Stellungnahmen oder sonstigen Texten um die eigene Website bekannt zu machen.

Was letztlich noch bleibt, ist die Anmeldung bei den Verzeichnissdiensten. Hier sollte bereits im Vorfeld nach der passenden Kategorie geforscht werden. Bei der Anmeldung wird unter anderem eine Beschreibung der Seite(n) verlangt, auch diese will gut überlegt sein.

Eine Anmeldung beim Open Directory Project sollte generell erfolgen. Ob noch Eintragungen bei weiteren Webverzeichnissen erfolgen sollen ist eine Glaubensfrage. Yahoo! Deutschland hat den Service mittlerweile eingestellt, ein Eintrag in das deutschsprachige Verzeichnis ist demnach nicht mehr möglich. Ob weitere kostenpflichtige (zum Beispiel Web.de) oder kostenfreie (zum Beispiel Mister Wong) Angebote in Anspruch genommen werden, ist meist eine individuelle Entscheidung.




Erfolgskontrolle

Letztlich folgt der schwierigste Teil der Suchmaschinen-Optimierung, die Erfolgskontrolle. Es kann relativ lange (Wochen, Monate) dauern, bis die Website auf dem Index der Suchmaschinen zu finden sind. Auch hier ist keine Regel zu erkennen, sodass nur ein häufigeres Abfragen weitere Erkenntnisse bringen kann.

Die Indizierung kann bei Google mittels

site:www.mein-name.de

abgefragt werden.

Das Ranking lässt sich über eine Abfrage geeigneter Suchbegriffe am einfachsten ermitteln. Google bietet hier eine Toolbar an, die den Pagerank für jede aufgerufene Seite anzeigt. Diese Angabe ist jedoch mit Vorsicht zu geniessen, da der Wert nur einige Male im Jahr neu berrechnet wird und der veröffentlichte Wert einige Monate alt sein kann. In Wirklichkeit kann der mittlerweile gültige Wert ein ganz anderer sein.

Aber gerade das Ranking-System von Google hat mit einen entscheidenden Beitrag zu deren Erfolg geleistet. In dem Verfahren wurden erstmalig nicht nur die Anzahl der eingehenden Links berücksichtigt, sondern auch deren Relevanz.

Ausser der Abfrage bleibt noch die Auswertung der Logdateien. Wie oft waren in der Vergangenheit welche Webcrawler auf der Website? Wie entwickeln sich die Besucherzahlen?

Letztlich sollte die Suchmaschinen-Optimierung nicht überbewertet werden. Eine interessante und stets aktualisierte Seite, die dem Besucher einen ansprechenden Inhalt bietet wird über kurz oder lang ihren Erfolg haben. Die hier gezeigten Maßnahmen sollten nur zusätzlich einen Beitrag zu diesem Erfolg beisteuern.




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