Seit Anfang des Jahres gehört er zum Alltag, der Euro als neues Zahlungsmittel. Mittlerweile sind auch die ersten Tastaturen mit dem entsprechenden Symbol ausgestattet und somit könnte das Symbol in einzelne Dokumente eingebunden werden. Ganz so einfach ist es jedoch nicht, da verschiedene Anwendungen, verschiedene Vorarbeiten für die »Euro-Tauglichkeit« benötigen. Was dabei im einzelnen zu beachten ist und wie das Ziel erreicht werden kann, wird im weiteren Verlauf an vereinzelten Beispielen aufgezeigt.
Mit der Einführung des Euros als neue Währung wurde ebenfalls beschlossen, dass die Währung ein eigenständiges Symbol erhalten soll, welches nach einem Beschluss der Europäischen Kommission genaustens normiert wurde. Durch diesen Beschluss hat das Symbol sein mittlerweile bekanntes Aussehen und Format erhalten. Entsprechende Graphiken, die das Format detailliert zeigen, sind unter [1.] zu finden.
In den meisten westlichen Sprachen wird der ISO8859-1 Standard für die Schrifttypen (Fonts) genutzt, indem die folgenden Zeichen festgelegt sind:
Wie ersichtlich ist hier kein Symbol für den Euro vorhanden. Die ISO hat sich relativ viel Zeit gelassen, um zu entscheiden, ob eine der existierenden ISO 8859 Tabellen geändert oder eine neue Tabelle definiert werden soll. Letztlich wurde der zweiten Variante der Vorzug gegeben, die als ISO8859-15 (Latin 9) bezeichnet wurde.
Eine umfassende Darstellung der einzelnen ISO 8859 Tabellen ist unter [2.] zu finden.
Das Euro-Symbol wird durch die Tastenkombination <AltGr><E> bzw. das Cent-Zeichen mit <AltGr><C>. Sollte sich hierbei nicht das gewünschte Resultat ergeben, sind die Einstellungen der Fonts für die Konsole zu überprüfen.
Unter RedHat sind diese in der Datei euro.inc.gz zu finden, die folgende Einträge aufweisen muss.
altgr keycode 18 = currency altgr keycode 46 = cent
Die Bezeichnung keycode ist quasi eine eindeutige Kennzeichnung der einzelnen Tasten auf der Tastatur. Da die Tastaturen über die Landesgrenzen unterschiedlich aufgebaut sind und einzelne Buchstaben durch Groß- und Kleinschreibung »unterschiedlich dargestellt« werden, erhalten die eingegebenen Zeichen einen weiteren Wert, der als keysym bezeichnet wird. So wird beispielsweise das Zeichen x (kleingeschrieben) hexadezimal als 0x0078 und groß geschrieben als 0x0058 bezeichnet. Der jeweilige keycode weist dagegen mit 53 den gleichen Wert auf. Die jeweilige Zuweisung lässt sich unter X mit den Programmen xmodmap -pk | more sowie xev anzeigen.
Außerdem muss in der Datei /etc/sysconfig/i18n der Schrifttyp durch die folgenden Einträge
SYSFONT="lat0-sun16" SYSFONTACM="iso15"
gesetzt sein. Die Datei dient der Internationalisierung eines Betriebssystems und der zugehörigen Programme. Zusammen mit dem passenden Gegenstück, der Lokalisierung (~/l10n/), werden Funktionen bezeichnet, die verschiedene Sprachen zur Verfügung stellen. Nachdem diese Angaben gesetzt sind, erfolgen Systemmeldungen, Menüleisten, usw. in der angegebenen Sprache. Außerdem werden auf diese Weise landesspezifische Angaben, beispielsweise Datums- und Zeitangaben, berücksichtigt.
Prinzipiell sollte es bei aktuelleren Distributionen keinerlei Probleme geben, und die Symbole mit der betreffenden Tastenkombination dargestellt werden können.
Die Tastaturbelegung unter X erfolgt über die Datei Xmodmap. Mittels dieser Datei können beispielsweise nicht benötigte »MS-Tasten« für andere Zwecke belegt werden. Um das Euro- und Cent-Symbol darstellen zu können sind die folgenden Eintragungen notwendig:
keycode 26 = e E currency keycode 54 = c C cent
Die jeweilige Tastaturbelegung lässt sich mit den Programmen xev und xmodmap anzeigen.
Außerdem müssen die benötigten Fonts installiert sein. Mit einem einfachen Aufruf von xlsfonts werden die unterstützten Fonts angezeigt. Jeder einzelne der Schrifttypen besteht aus insgesamt dreizehn Einträgen, die jeweils durch ein Minuszeichen getrennt sind. Ob auf dem System Schrifttypen nach ISO8859-15 vorhanden sind, lässt sich wie folgt überprüfen:
$ xlsfonts -fn -*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-iso8859-15
Nach dem Aufruf werden die vorhandenen Fonts angezeigt, ein * entspricht einer beliebigen Zeichenfolge. Sind dagegen die Schrifttypen nicht installiert sieht die Meldung wie folgt aus
xlsfonts: pattern "-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-iso8859-15" unmatched
und die Fonts müssen installiert werden. Dazu sind die Pakete Xf100.tgz und Xfnts.tgz erforderlich, die für die aktuelle Version unter [3.] zur Verfügung stehen. Die Pakete sind unter /usr/X11R6 zu entpacken und anschließend mit dem Aufruf von mkfontdir dem X-Server zur Verfügung zu stellen.
Mit diesen Schritten sollten die Symbole für Cent und Euro darstellbar sein.
Allerdings ist im Zusammenhang mit X zu beachten, dass viele Wege nach Rom führen. So kann es unter Umständen auch notwendig sein zunächst eine »landesspezifische Einstellung» über die Umgebungsvariable $LANG auf de_DE@euro oder de_DE.ISO-8859-15 vorzunehmen. Die Einstellung kann auch über den Aufruf von locale vorgenommen werden, die Option -a zeigt die auf dem System verfügbaren Möglichkeiten an.
Außerdem besteht auch die Möglichkeit, dass sich jeder Anwender seine eigene Umgebung über die Dateien .Xdefaults bzw. .Xresources und/oder die Belegung der Tastaturen über .Xmodmap einstellt. Hierbei ist zu beachten, dass nach jeder Änderung der Befehl xrdb -merge <datei> aufgerufen wird, damit die Einstellungen wirksam werden.
An systemweiten Konfigurationsmöglichkeiten ist letztlich noch die Datei XTerm zu nennen, über die ebenfalls Einstellungen bezüglich der Fonts vorgenommen werden können.
In HTML 4 gibt es drei verschiedene Arten das Euro-Symbol darzustellen. Als numerische Dezimal- (€) und Hexadezimalangabe (€) sowie durch die Angabe der Zeichen (€). Die dezimale Angabe 8364 entspricht der hexadezimalen Angabe x20AC, die wiederum die Unicode-Position des Euro-Symbols ist.
Bei der Erstellung eines HTML-Dokuments sollte eine der drei Darstellungen genutzt werden und nicht die Eingabe mit der Tastenkombination. Da dieser Wert nicht zum ASCII Zeichenvorrat gehört, kann beim Aufruf des Dokuments durch den Web-Browser ein völlig anderes oder überhaupt kein Zeichen dargestellt werden. Aber auch bei der Darstellung mit einer der angegebenen Möglichkeiten können sich Probleme ergeben. Falls der Browser die Angabe versteht, muss er noch lange nicht in der Lage sein, dass Symbol auch darzustellen. Je nachdem welche Schriftsätze der Browser zur Verfügung hat, wird das Symbol auch als solches dargestellt,
oder durch die Zeichen »EUR«.
Alternativ bleibt die Möglichkeit das Euro-Symbol mittels Graphik, in Schriftgröße und Font des Textes, darzustellen. Allerdings ist auch diese Möglichkeit letztlich nicht der »Weisheit letzter Schluss«, da der Web-Browser so eingestellt sein kann, dass er einen anderen Font und/oder andere Schriftgröße verwendet. Außerdem kann das Laden von Graphiken völlig abgeschaltet sein.
Auch bei LaTeX-Dateien gibt es mehrere Möglichkeiten das Euro-Symbol darzustellen. Dazu ist eines der folgenden Pakete durch \usepackage{} am Anfang des Dokumentes einzubinden:
Nach der Installation der jeweiligen Ergänzungspakete ist noch das Kommando texconfig rehash auszuführen. Die beiden letztgenannten Pakete sind unter anderem bei [6.] erhältlich.
Die folgende Abbildung zeigt eine Auswahl der jeweiligen Euro-Symbole:
Bei verschiedenen Anwendungen sind die bevorzugten Fonts anzugeben. Eine Ausgabe mit xlsfonts zeigt zwar alle installierten Schrifttypen auf, ist aber weniger hilfreich wenn es darum geht sich für einen bestimmten Font zu entscheiden. Abhilfe schafft hier das Programm xfontsel, mit dem sich die jeweiligen Fonts »zusammen stellen lassen«.
Den einzelnen Eintragungen kommt dabei die folgende Bedeutung zu:
Die einzelnen Angaben können, je nachdem welche Fonts installiert sind, miteinander kombiniert werden. Außerdem können auch defaults durch Angabe eines * gesetzt werden. Das jeweilige Resultat wird in dem unteren Fenster dargestellt.
Ist auf diese oder andere Art der Font festgelegt, kann diese Angabe beispielsweise in die Konfigurationsdatei der Editoren eingetragen werden, um diese Eurotauglich zu machen. So kann ein entsprechender Eintrag in der Datei ~/.vimrc bzw. /etc/vim/vimrc wie folgt aussehen:
set guifont=-misc-fixed-*-r-normal-*-*-*-*-*-*-*-iso8859-15 set encoding=iso-8859-15
Mit diesen Einstellungen sieht das Resultat wie folgt aus:
Ähnlich kann auch mit Emacs verfahren werden, damit auch hier die Darstellung des Euros ermöglicht wird. Das kann zum einen mit dem folgenden Eintrag in .Xdefaults bzw. .Xresources erreicht werden.
Emacs.default.attributeFont: -misc-fixed-*-r-normal-*-*-*-*-*-*-*-iso8859-15
Alternativ kann auch ein Eintrag in ~/.emacs das gewünschte Resultat liefern.
(set-face-font 'default '"-misc-fixed-*-r-normal-*-*-*-*-*-*-*-iso8859-15")
2. Allgemeines zu den verschiedenen Schrifttypen.
http://www.cs.tut.fi/ jkorpela/chars.html
3. Fonts für den X-Server.
http://ftp.xfree86.org/pub/XFree86/4.2.0/binaries/Common/
4. Adobe Fonts.
http://www.adobe.com/type/eurofont.html
5. Thomas Feuerstack, Adobes Eurosymbol (EURO) und LATEX.
http://www.fernuni-hagen.de/URZ/urzbib/ls_unplugged.html
6. DANTE, Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX e.V.
http://www.dante.de/