Die Vorteile eine Präsentation mit LaTeX zu erstellen liegen auf der Hand. Zum einen der vertraute Umgang mit einer bekannten Umgebung und zum anderen die Verwendung bereits erstellter Texte, Formeln, Graphiken, usw. Außerdem bietet sich PDF als plattformunabhängiges Format an.
Mit der im weiteren Verlauf vorgestellte Klasse Beamer lassen sich auf der Basis normaler LaTeX-Dokumente relativ einfach optisch ansprechende Präsentationen erzeugen. Beamer bietet eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten, verlinkte Navigationen, Einbinden von Graphiken, Videos und einiges mehr.
Der grundsätzliche Aufbau einer Präsentation unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen LaTeX-Dokumenten und kann in der Regel grob in drei (eventuell auch vier) Abschnitte gegliedert werden.
Diese Gliederung läßt sich in einer Beamer-Präsentation beispielsweise wie folgt umsetzen:
\documentclass{beamer}
\usepackage[ngerman]{babel}
\usepackage[latin1]{inputenc}
\hypersetup{
pdfauthor = {Thomas Lingmann},
pdftitle = {Schweden Juni 2006},
}
\begin{document}
- Titelseite
- Inhaltsverzeichnis
- Folie(n) der Präsentation
- ggf. Anhang (Literaturverzeichnis, Quellenangaben, usw)
\end{document}
Im Grunde genommen bieten sich hier keine größeren Überraschungen. Das Paket hyperref wird automatisch geladen, hierauf wird gegen Ende dieses Artikels noch näher eingegangen. Wie üblich folgt der Präambel, dem Kopf des Dokuments, der Pakete lädt und globale Dinge definiert, das eigentliche Dokument, welches auf gewohnte Weise in Abschnitte, Unter- und Unterunterabschnitte gegliedert werden kann. Die einzelnen Abschnitte können jeweils aus ein oder mehreren Folien bestehen, deren Einteilung außerhalb der Folien vorgenommen wird. Titelseite und Inhaltsverzeichnis bieten sich bei den meisten Präsentationen an, während der Anhang meist obligatorisch ist.
Zunächst müssen die verschiedenen Daten die auf der Titelseite ausgegeben werden sollen festgelegt werden. Dabei kann es sich beispielsweise um folgende Angaben handeln:
\title{Schweden Juni 2006}
\subtitle{- Vier Wochen mit dem Rad -}
\author{Thomas Lingmann}
\date{\today}
Eine Titelseite empfiehlt sich generell, um sich und das Thema des Vortrags den Zuhörern vorzustellen. Nachdem die betreffenden Informationen in der Präambel festgelegt wurden, läßt sich die Titelseite wie folgt erzeugen:
\frame{
\titlepage
}
Das Ergebnis stellt sich wie folgt dar:
Das Aussehen der Titelseite läßt sich noch optisch verbessern, dazu später mehr.
Damit die Zuhörer wissen was sie erwartet folgt in der Regel als nächstes das Inhaltsverzeichnis.
\frame{
\frametitle{Inhaltsverzeichnis}
\tableofcontents[pausesections]
}
Über den optinalen Parameter pausesections wird das Inhaltsverzeichnis abschnittweise statt auf einmal vollständig ausgegeben.
Wie bereits aus den Beispielen zur Titelseite und dem Inhaltsverzeichnis ersichtlich wird eine einzelne Folie bei Beamer über den Befehl \frame{} bzw. der Umgebung \begin{frame} .... \end{frame} erzeugt.
Eine einzelne Folie läßt sich demnach wie folgt realisieren:
\frame{
\frametitle{Vimmerby}
Text
}
Hier wird zunächst über \frametitle{} die Überschrift der einzelnen Folie angegeben. Bei der Angabe des Textes ist darauf zu achten, daß von LaTeX bei der Übersetzung der Präsentation keine Kontrolle über die Aufteilung der Seiten vorgenommen wird. Es empfiehlt sich also bereits im Vorfeld sich Gedanken zu machen, wieviel Text auf eine Seite (gleich Folie) soll.
Das Beamer-Paket verfügt über drei Umgebungen über die ein Text als Block ausgegeben werden kann.
\frame{
\frametitle{Vimmerby}
\begin{block}{Vimmerby}
Vimmerby gilt als eine der ältesten Städte Schwedens, sie
ist vor allem als Geburtsstätte von Astrid Lindgren
bekannt geworden.
\end{block}
\begin{exampleblock}{Sehenswürdigkeiten}
Hauptattraktion des Ortes ist \textit{Astrid Lindgrens
Värld}. In dem Vergnügungspark befinden sich zahlreiche
Nachbauten von Schauplätzen aus Lindgrens Erzählungen.
\end{exampleblock}
\begin{alertblock}{Hinweis}
Die Originalschauplätze von \textit{Billerby} und
\textit{Katthult} können in der näheren Umgebung
ebenfalls besichtigt werden.
\end{alertblock}
Wie aus Abbildung 3 ersichtlich unterscheiden sich die drei Blöcke optisch nur durch eine andere Farbgebung der Überschiften.
Oftmals ist es bei einer Präsentation erforderlich oder wünschenswert, eine Folie nicht komplett sondern "nach und nach" anzuzeigen. Der Befehl \pause dient genau diesem Zweck. Das vorige Beispiel kann mit dem Befehl wie folgt ergänzt werden:
\frame{
\frametitle{Vimmerby}
\begin{block}{Vimmerby}
....
\end{block}
\pause
\begin{exampleblock}{Sehenswürdigkeiten}
....
\end{exampleblock}
\pause
\begin{alertblock}{Hinweis}
....
\end{alertblock}
}
Die Folie verteilt sich nunmehr auf drei Seiten und baut sich schrittweise auf. Die erste Seite beinhaltet nur den einfachen Block, auf der zweiten Seite zusätzlich die Sehenswürdigkeiten und auf der dritten Seite, sind alle drei Blöcke wieder vollständig auf einer Seite.
Dieses Verfahren läßt sich auch in anderen Umgebungen anwenden, beispielsweise bei Nummerierungen und Aufzählungen. Hier gibt es jedoch auch noch andere Mechanismen.
Nummerierungen, Aufzählungen und Listen lassen sich in - fast - gewohnter Weise mit einer Verschachtelung bis zu drei Ebenen nutzen. Hierbei dürfte es sich um die am häufigsten genutzten Elemente einer Präsentation handeln.
\frame{
\frametitle{Sehenswürdigkeiten}
\begin{itemize}
\item Dänemark
\begin{itemize}
\item Roskilde - Domkirche, Altstadt, Hafen
\item Hiller{\o}d - Schloß Frederiksborg
\end{itemize}
\item Schweden
\begin{itemize}
\item Glasreich
\item Vimmerby - Astrid Lindgrens Värld
\item Linköping - Domkirche
\item Mariefred - Schloß Gripsholm
\item Uppsala - Dom, Carolina Redivia, Linne-Garten
\end{itemize}
\item {\AA}lands
\begin{itemize}
\item Mariehamn
\item Kastelholm - Schloß, Freilichtmuseum
\end{itemize}
\end{itemize}
}
Prinzipiell lässt sich auch hier der Befehl \pause anwenden, um die Elemente der Liste nach und nach aufzubauen. Interessanter wird es jedoch bei folgender Vorgehensweise:
....
\begin{itemize}
\item<1-> Dänemark
\begin{itemize}
\item<2-> Roskilde - Domkirche, Altstadt, Hafen
\item<2-> ....
\end{itemize}
\item<1-> Schweden
\begin{itemize}
\item<2-> Glasreich
\item<2-> ....
\end{itemize}
\item<1-> {\AA}lands
\begin{itemize}
\item<2-> Mariehamn
\item<2-> ....
\end{itemize}
\end{itemize}
}
Auf diese Weise werden die einzelnen Punkte der Aufzählung gruppiert und somit deren Zeitpunkt der Präsentation festgelegt. Hier werden zunächst die Punkte der äußeren Liste und anschließend die inneren Listen aufgezeigt.
Dieses Verfahren ist keineswegs auf Listen beschränkt, wie das folgende Beispiel zeigt:
\frame{
\frametitle{Astrid Lindgren: Werke (Auswahl)}
\textit<1>{Pippi Langstrumpf} \\
\textit<1>{Pippi Langstrumpf geht an Bord} \\
\textit<1>{Pippi in Taka-Tuka-Land} \\[0.8em]
\textit<2>{Meisterdetektiv Blomquist} \\
\textit<2>{Kalle Blomquist lebt gefährlich} \\[0.8em]
\textit<3>{Michel in der Suppenschüssel} \\
\textit<3>{Michel muss mehr Männchen machen} \\[0.8em]
\textit<4>{Karlsson vom Dach} \\[0.8em]
\textit<5>{Ferien auf Saltkrokan} \\[0.8em]
\textit<6>{Die Brüder Löwenherz} \\[0.8em]
\textit<7>{Ronja Räubertochter} \\[0.8em]
}
Hier werden insgesamt sieben verschiedene Varianten einer Folie generiert, wobei die jeweils aktivierte die Bücher Astrid Lindgrens kursiv darstellt. In Abbildung 5 sind es die beiden Bücher über Michel aus Lönneberga.
Das folgende Beispiel zeigt noch einmal verschiedene Varianten, wie die Präsentation einer Aufzählung beeinflusst werden kann:
\section{Infos}
\subsection{Land und Leute}
\frame{
\frametitle{Land und Leute}
\begin{itemize}
\item<1-> Fläche ca. 449.964 qm
\item<1-> das fünftgrößte Land Europas
\item<2-> ca. 9,11 Millionen Einwohner
\item<2-> Bevölkerungsdichte 20 Einwohner/qm
\item<3> 54\% der Landesfläche sind Wälder
\item<2-4> Längste Nord-Süd Ausdehnung 1.574 km
\item<2-4> Längste Ost-West Ausdehnung 499 km
\item<5> weite Teile des Landes flach bis hügelig
\item Gebirgsmassive entlang der norwegischen
Grenze
\end{itemize}
}
Bei der Präsentation werden zunächst die mit < 1- > sowie der letzte Punkt mit < alert@5 > gekennzeichnete Punkt angezeigt. Es folgen < 2- > und < 2 - 4 > bei der nächsten und < 3 > bei der darauf folgenden Folie. Der mit < 3 > gekennzeichnete Punkt wird nach dem Weiterblättern nicht mehr angezeigt, dieser ist nur für den dritten Teil vorgesehen. Die Angabe < 2- > ist als von von 2 bis ende zu lesen. Dementsprechend werden die beiden Punkte < 2 - 4 > bei der folgenden, fünften Folie nicht mehr angezeigt, dafür der vorletzte Punkt. Der letzte Punkt, der bislang stets in normaler Schrift angezeigt wurde, wird nunmehr mit roter Textfarbe angezeigt.
Die beiden Angaben \section und \subsection dienen der Aufnahme in das Inhaltsverzeichnis und wirken sich nicht auf die aktuelle Folie aus.
Das Einbinden von Graphiken kann unter anderem wie gewohnt unter Einbindung des Befehls \includegraphics erfolgen.
\frame{
\frametitle{Mariefred - Schloß Gripsholm}
\frqq Es war ein strahlend heller Tag. Das Schloß, aus roten
Ziegeln erbaut, stand leuchtend da, seine runden Kuppeln
knallten in den blauen Himmel....\flqq
\begin{center}
\includegraphics[width=0.6\textwidth]{gripsholm}
\end{center}
}
Das Resultat präsentiert sich wie folgt:
Auf die gleiche Art lassen sich auch andere Umgebungen einbinden, beispielsweise Tabellen:
\frame{
\frametitle{Währung}
Schwedische Krone (SEK) \\[1.2em]
\begin{tabular}{rcr}
\textbf{Euro} & & \textbf{SEK} \\
\hline
1 & $<->$ & 9,19 \\
2 & $<->$ & 18,38 \\
5 & $<->$ & 45,95 \\
10 & $<->$ & 91,91 \\
20 & $<->$ & 183,81 \\
25 & $<->$ & 229,76 \\
50 & $<->$ & 459,53 \\
100 & $<->$ & 919,06 \\
\end{tabular}
}
Auch hier bietet die Ausgabe im Grunde genommen keinerlei Überaschungen:
Schwierigkeiten bei der Übersetzung kann es im Zusammenhang mit verbatim-Umgebungen kommen. Abhilfe schafft hier die zusätzliche Angabe des Parameters fragile, also
\begin{frame}[fragile]
\frametitle{....}
\begin{verbatim}
....
Über das Paket multimedia.sty, welches automatisch eingebunden wird, lassen sich im Bedarfsfall auch animierte Graphiken, Filme, usw einbinden bzw. auf externe Quellen verlinken.
Das optische Erscheinungsbild einer Präsentation mit Beamer kann auf fünf Arten (Themen) beeinflusst werden:
Im wesentlichen wird die Darstellung über die Wahl des Präsentationsthemas festgelegt. Hier werden die einzelnen Elemente einer Folie sowie die Navigation und zahlreiche weitere Details definiert. Die einzlnen Themen sind nach Städten benannt und werden über den Befehl \usetheme eingebunden.
\usetheme{
Antibes | Bergen | Berkeley | Berlin | Boadilla | boxes |
Copenhagen | Darmstadt | default | Dresden | Frankfurt |
Goettingen | Hannover | Ilmenau | JuanLesPins | Luebeck |
Madrid | Malmoe | Marburg | Montpellier | PaloAlto |
Pittsburgh | Rochester | Singapore | Szeged | Warsaw
}
Die folgende Übersicht zeigt das Inhaltsverzeichnis unter Einbeziehung der einzelnen "skandinavischen Themen":
Wie aus den Beispielen ersichtlich passt nicht jedes Inhaltsverzeichnis in das jeweilige Thema. Hier sind gegebenenfalls Kompromisse erforderlich, entweder ist die Schriftgröße zu verkleinern, ein paar Punkte rauszunehmen oder doch ein anderes Layout zu nutzen.
Das Farbschema kann über den Befehl \usecolortheme festgelegt werden. Auch hier steht eine Auswahl zur Verfügung:
\usecolortheme{
albatross | beetle | crane | default | dolphin |
dove | fly | lily | orchid | rose | seagull |
seahorse | sidebartab | structure | whale
}
Analog kann mit der Schriftart verfahren werden, hier lautet der Befehl um Änderungen an der Standardeinstellung vorzunehmen \usefonttheme.
\usefonttheme{
default | professionalfonts | serif | structurebold |
structureitalicserif | structuresmallcapsserif
}
Unter Innere Themen werden die Titelseite sowie verschiedene Umgebungen (Aufzählungen, Tabellen, Block, usw.) verstanden. Deren Aussehen läßt sich über \useinnertheme beeinflussen.
\useinnertheme{
circles | default | inmargin | rectangles | rounded
}
Das folgende Beispiel zeigt zwei unterschiedliche "innere Themen":
Analog hierzu lassen sich über \useoutertheme die Äußeren Themen Format und Aussehen von Kopf- und Fußzeilen, Sidebars, Logo und Titel der Folien beeinflussen.
\useoutertheme{
default | infolines | miniframes | shadow | sidebar |
smoothbars | smoothtree | split | tree
}
Auch hierzu ein Beispiel:
Die Auswahl an unterschiedlichen Themen ist Fluch und Segen gleichzeitig. Hier bietet sich eine unzählige Auswahl von Kombinationsmöglichkeiten, die eine fast schon individuelle Gestaltung der eigenen Präsentation ermöglicht. Diese Auswahl hat natürlich ihren Preis, sie will erst einmal gefunden werden. Auch erfordern unterschiedliche Präsentationen mitunter ein unterschiedliches Layout.
Das Paket hyperref ermöglicht den Verweis auf Quellen innerhalb eines LaTeX-Dokumentes sowie auf externe Adressen. Diese Verweise werden unter anderem von pdflatex und latex2html bei der Übersetzung ausgewertet. Dem Paket können eine Vielzahl optionaler Argumente übergeben werden, mit denen sich Verhalten und Aussehen der Verweise beeinflussen lassen.
In den bisherigen Beispielen wurde über hyperref das Inhaltsverzeichnis in der linken Fensterhälfte erzeugt. Die einzelnen Punkte können direkt angewählt werden, so daß eine schnelle Navigation durch die Präsentation ermöglicht wird.
Aktiviert wurde das Paket durch folgende Angaben:
\hypersetup{
pdfauthor = {Thomas Lingmann},
pdftitle = {Schweden Juni 2006},
}
Die Einbindung von hyperref sollte normalerweise stets als letzte in der Präambel erfolgen, da hier viele interne Kommandos umdefiniert werden. Normalerweise bedeutet in diesem Zusammenhang, dass bei der Nutzung von Beamer die Klasse hyperref automatisch eingebunden wird und somit auch kein Augenmerk auf die Reihenfolge erforderlich ist. Bei anderen Paketen oder Klassen kann dies natürlich anders sein und hier sollte dann hyperref als letzte Angabe in der Präambel erfolgen.
Die Übersetzung der LaTeX-Dokumentation nach PDF erfolgt in der Regel mit dem Programm pdflatex, dem im einfachsten Fall nur die Quelldatei als Argument zu übergeben ist.
> pdflatex schweden.tex
Die Präsentation erfolgt mit einem beliebigen PDF-Betrachter wie Acrobat oder xpdf. Letzteres kann beispielsweise mittels
> xpdf -fullscreen schweden.pdf
aufgerufen werden, worauf die Seiten im Vollbildmodus angezeigt werden.